Weinanbau
Deutsche Winzer kämpfen mit Frostschäden

Die Mixtur aus wärmeren Tagen gefolgt von frostigen Temperaturen macht dem Weinanbau zu schaffen. Viele Reben sind komplett hinüber. Schon jetzt ist klar: In diesem Jahr gibt es weniger Wein.
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BodenheimDer Frost der vergangenen Nächte hat die Winzer in den deutschen Weinanbaugebieten zum Teil massiv getroffen. „Von keinen Schäden bis zu einem Ausfall von 100 Prozent ist alles dabei“, sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut am Freitag in Bodenheim nahe Mainz. Es sei außergewöhnlich, dass Reben in ganz Deutschland betroffen seien. „Von der Ahr bis nach Baden, von der Mosel bis nach Sachsen.“

Temperaturen mit mehreren Grad Minus seien für einen April nichts Ungewöhnliches, aber durch die sehr warmen Wochen zuvor seien die Rebstöcke zwei Wochen früher dran als sonst und hätten schon ausgetrieben. „Das war das Fatale“, sagte Büscher.

Der Präsident des Weinbauverbands Mosel, Rolf Haxel, berichtet von großen Schäden vor allem an den Burgundersorten. In manchen Lagen sei die Situation „katastrophal“. Die Pfalz sei angesichts des Temperaturverlaufs mit Werten von minus vier und minus fünf Grad „mit zwei blauen Augen davongekommen“, sagte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße. Im Jahr 2011 seien die Schäden größer gewesen.

Die Kälte hat oft die ersten Blätter zerstört, manchmal auch die Knospen. Wie groß die Einbußen bei der Ernte am Ende sind, kann laut den Experten noch nicht beziffert werden. Die betroffenen Winzer hoffen nun, dass die Reben Seitentriebe bilden. „Ob die Früchte tragen oder nicht, wissen wir aber nicht“, sagte Haxel. Büscher ergänzte, es sei in diesen Hängen nur mit einem Bruchteil des Vollertrags zu rechnen. „Es wird in diesem Jahr auf jeden Fall weniger Wein geben als erhofft.“

Etliche Winzer hatten versucht, mit Hilfe von Windrädern oder Helikoptern die Luft zu verwirbeln, um die kalten Luftschichten mit wärmeren zu vermischen. „Bei minus sieben Grad geht das aber nicht mehr“, sagte Büscher. Andere Winzer setzten auf Frostschutzfackeln. Diese könnten aber nur auf kleinen Flächen verwendet werden, weil pro Hektar Hunderte Fackeln benötigt würden, ergänzte Büscher.

Winzer Reinhard Löwenstein aus Winningen an der Mosel steht derzeit kopfschüttelnd in seinen Weinbergen. „Das hat keine innere Logik. Da sind zwei Triebe direkt nebeneinander, beide gleich groß, einer ist kaputt, einer ist noch grün“, sagte er. An anderen Stellen sehe er hingegen deutlich, wo Kaltluft den Berghang hinabgeflossen sein müsse, denn in einer Schneise von vier bis fünf Metern seien die Blättchen kaputt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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