Weinbau
Die Rache der Reblaus

Einst brachten französische Weinbauer das Know-How nach Spanien, als sich die Reblaus in Scharen über französische Weinstöcke machte und die Bauern über die Pryenäen zogen. Nun droht Frankreich die Spitzenposition als Weinproduzent ausgerechnet an Spanien zu verlieren.

PARIS. Auf der Flucht vor dem Feind begingen Frankreichs Weinbauern vor langer Zeit einen verhängnisvollen Fehler, für den ihre Nachfahren nun bald teuer bezahlen müssen. Es war anno 1850, als sich die Reblaus in Scharen über französische Weinstöcke hermachte.

Die Winzer packten ihre Sachen, zogen über die nahen Pyrenäen ins Spanische und ließen sich im Rioja-Gebiet nieder. So gelangte das wertvolle Know-how des französischen Ausnahmeweins auf die unterentwickelte Iberische Halbinsel.

Ausgerechnet diese Spanier sind jetzt drauf und dran, den Franzosen ihre weltweite Position als Nummer eins unter den Weinbaunationen streitig zu machen. Diese für die Weinprofession niederschmetternde Nachricht ist das Ergebnis einer Studie des renommierten Forschungsinstituts Crédoc, das die Lebensumstände der Weinbauern in Frankreich und ihre wichtigen Absatzmärkte untersucht. Grund für den baldigen Wechsel an der Tabellenspitze sind Änderungen der Verbrauchervorlieben im In- und Ausland.

Bei den Engländern etwa, den bisherigen Lieblingskunden der Franzosen, und den Amerikanern, die immer wichtiger für die Weinproduzenten werden, wird stetig mehr Wein auch aus anderen Herkunftsländern getrunken: aus Kalifornien, Australien und - vor allem - Spanien.

Und in Deutschland sinkt der Anteil des französischen Traubensafts bis 2015 auf nur noch zehn Prozent. 2001 waren es immerhin noch 16 Prozent.

Selbst im eigenen Land geht es für die Franzosen rapide abwärts. Der Weinkonsum ist allein in den letzten vier Jahren um 22 Prozent gesunken, vor allem der Rotwein verliert. Viele trinken aus Gesundheitsgründen weniger, andere greifen beim traditionellen Mittagessen immer öfter zum Wasser- statt zum Weinglas. Insbesondere junge Franzosen wendeten sich von der französischen Art de Vivre ab, bei dem man stundenlang mit einem guten Wein beim Essen sitzt, schreiben die Marktforscher. Die abtrünnige Jeunesse greift lieber zu Cocktails und Snacks.

Ganz anders die Spanier, die mehr trinken und gleichzeitig mehr exportieren. Seit zehn Jahren erwirtschaften die dortigen Winzer pro Jahr vier Prozent mehr Gewinn, und die Margen zeigen weiter nach oben.

Spätestens 2015 könnte es dann nach Meinung der Crédoc-Forscher so weit sein: Spanien ist als Weinbaunation weltweit die Nummer eins.

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