Weiter keine Spur
Braunbär führt Experten an der Nase herum

Der Braunbär, der seit zwei Wochen im Grenzgebiet von Bayern und Tirol umherstreift, erweist sich als äußert unberechenbar. Tierschützer haben jetzt einen Grund für das ungewöhnliche Verhalten des Bären ausgemacht: "JJ1" stammt angeblich aus einer Problemfamilie.

HB WIEN. Seit Tagen ist ihm ein Expertenteam in Tirol auf der Spur, doch der Einsatztruppe von Behörden und Tierschützern ist es noch immer nicht gelungen, das Tier in eine Falle zu locken. „Der Bär ist uns immer einen Schritt voraus“, berichtete Jens Laas von der Umweltstiftung WWF in Wien. Die Tierschützer wollen „JJ1“ fangen, um eine mögliche Gefährdung von Menschen auszuschließen.

Die Experten haben den jungen Bären aus einem Wiederansiedlungsprojekt im Adamello-Brenta-Naturpark in Südtirol schon seit langem im Visier. „Er kommt aus einer Problemfamilie“, räumen die Tierschützer ein, die die Tiere ständig beobachten und die Entwicklung der Population genau verfolgen. Mutter Jurka, die aus Slowenien stammt, ist als „äußerst lernresistent“ aufgefallen: Das Tier zeigt wenig Scheu und dringt immer wieder in Siedlungen vor. Auf ihren Streifzügen hatte sie auch die beiden Söhne JJ1 und JJ2 mitgenommen und ihnen dieses Verhalten beigebracht.

Versuche, das Tier mit Lärm und Gummigeschossen zu vergrämen und ihm damit Scheu vor dem Menschen einzuflößen, blieben ergebnislos. Auch Söhnchen JJ1, von den Medien „Bruno“ genannt, zeigt sich bisher als unverbesserlich. Im Frühjahr wurde der Bär im Trentino auf einem Streifzug in Siedlungsgebiet sogar einmal gefangen genommen und „ordentlich Stress ausgesetzt“, wie die WWF-Experten berichten. Mit enttäuschendem Ergebnis: „Er hat sich nur angewöhnt, nicht an Orte zurückzukehren, wo er schon einmal war. Das heißt: er hat nicht gelernt, dass Menschen ihm unangenehm werden können, sondern er hat nur gelernt, weiter zu ziehen“.

Genau dieses für die an sich menschenscheuen Tiere untypische Verhalten wird nun für die Experten zum Problem. Da er noch nie an einen Futterplatz zurückgekehrt ist, können die Experten keinen aussichtsreichen Platz ausmachen, um ihre Lebendfalle anzubringen. Die fünf Meter lange Edelstahlröhre mit Falltür-Mechanismus irgendwo in seinem Aktionsradius auf Verdacht aufzustellen, ist wenig Erfolg versprechend.

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