Welt-Aids-Tag
Die Krankheit des schwarzen Kontinents

Afrika bleibt der Kontinent, der von Aids am stärksten betroffen ist. Besonders explosiv ist die Lage in Mosambik – doch ausgerechnet hier zeigt ein Beispiel, wie Aids effektiv bekämpft werden kann.
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KapstadtWer nach einem günstigen Nährboden für die Ausbreitung der Aids-Epidemie sucht, wird in Mosambik schnell fündig: Ein langer Bürgerkrieg hat hier viele Familien zerrissen, Tausende Frauen in die Prostitution getrieben und Millionen entwurzelt. Die Rückkehr des Friedens vor 20 Jahren spülte zusätzlich Händler, Trucker und Flüchtlinge aus Teilen von Afrika ins Land, wo Aids bereits viel länger grassiert. Neue Studien zeigen zudem, dass mosambikanische Teenager früh Sex haben und dabei oft mit mehreren Partnern zur gleichen Zeit. Junge Frauen sind häufig mit weit älteren Männern liiert. Und nur zwei von zehn Mosambikanern wusste, wie Aids genau übertragen wird.

Ein explosives Gemisch, bei dem es nicht überraschen kann, dass die Zahl der Aids-Kranken in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Dennoch gibt ausgerechnet die frühere portugiesische Kolonie Anlass zu der Hoffnung, dass die Aids-Epidemie in Afrika womöglich doch gestoppt werden kann.

Rogerio Alface gehört jedenfalls zu den Vorkämpfern in einem Projekt, das seit zwei Jahren versucht, einen bedenklichen Trend in sein Gegenteil zu verkehren: die immer größere Zahl von Patienten in Afrika, die ihre lebensrettenden Anti-Aids-Präparate nicht rechtzeitig erhält – und damit eine langfristige Besserung verhindert.

Wie einfach Lösungen sein können, zeigt ein Beispiel aus der mosambikanischen Zentralprovinz Tete. Den dort tätigen Medizinern der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ wurde vor zwei Jahren jedenfalls schnell klar, dass eine Kehrtwende hier nur gelingen könnte, wenn auch die Patienten mehr Verantwortung für ihre Krankheit übernehmen würden. Den Ärzten kam dabei die Idee, Gruppen von jeweils sechs Aids-kranken Patienten zusammenzustellen. Statt ihre Tabletten jedes Mal einzeln abzuholen, sollten sich die Gruppenmitglieder fortan abwechselnd auf den oft mühseligen Marsch in die nächstgelegene Klinik machen. Ein attraktiver Nebeneffekt war, dass sich die Zahl der Klinikbesuche für die Teilnehmer der Sechsergruppe schlagartig von zwölf auf nur noch zwei pro Jahr verringerte.

Bei einer späteren Auswertung des Projekts wurde sein großer Erfolg schnell deutlich: Während die Gruppen mit sechs Patienten praktisch kein einziges Mal die Abholung ihrer Aids-Medikamente versäumte und deshalb auch nur zwei Prozent verstarben, waren es bei den auf sich selbst gestellten Aids-Kranken rund 20 Prozent. Entsprechend viel höher lag auch die Todesrate.

Das Ergebnis der Studie im „Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes“ ist eine Offenbarung. Daneben sank das Bilden von Sechsergruppen die Arbeitslast der Ärzte, die in dem armen Land extrem dünn gesät sind, was wiederum die Kosten der Behandlung reduzierte. Mosambik hat bis heute nur 2,7 Ärzte pro 100.000 Menschen. (In den USA sind es etwa 100 Mal so viel) Und es gibt einen weiteren Nutzen: Wenn Patienten in kleineren Gruppen organisiert sind, fühlen sie sich auch nicht länger mit ihrer Krankheit allein gelassen wie dies gerade in Afrika wegen der Stigmatisierung von Aids oft der Fall ist.

Schwieriger gestaltet sich die Lage ausgerechnet im weiter entwickelten Südafrika. Hier werben seit Jahren vor allem bekannte Stars und Sternchen für eine stärkere Bewusstseinswerdung. Doch was passiert eigentlich, wenn die vermeintlichen Vorbilder plötzlich ihre Meinung ändern – und Dinge behaupten, die direkt mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden in Konflikt stehen? Ein Musterbeispiel dafür, was alles schiefgehen kann, lieferte zuletzt die Schauspielerin Lesego Motsepe, die sich am Welt-Aids-Tag vor einem Jahr als HIV-positiv outete und in einer Radioshow erzählte, dass sie bereits seit 13 Jahren mit Aids lebe. Doch erst als sie im Oktober 2010 kurz vor dem Tod gestanden und kaum noch Widerstandskräfte gehabt habe, sei sie auf Anti-Aids-Medikamente umgestiegen – mit großem Erfolg.

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  • Endlose Aufklärung in Afrika und nichts scheint sich zu ändern. Da fragt man sich, warum ist das so?Genauso wie seit mindestens 50 jAhren Entwicklungshilfe auf allen gEbieten geleistet wird und das Ergebnis ist mehr als mager.
    Auch hier die Frage: Warum geht da nichts voran?
    Fazit : Irgendwo läuft da was falsch.
    Was Aids betrifft, solange dei Menschen nicht selber denken und entsprechend handeln, nützt alles nichts. Denken kann man nicht schenken, das müssen sie schon selber. Der kOntinent muss sich endlich selber auf dei Beine stellen und die Lage vebessern, das Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das setzt aber vorraus, dass der Westen endlich die Ausbeutung dort beendet und die kOnzerne dort gerechte Löhne zahlen. Solange wir deren Rohstoffen zum Scnäppchenpreis abholen, wird sich nichts ändern. Da helfen auch keine Spenden und sonstige freiwillige Hilfsdienste. Alles bleibt wie es ist. solange das Geld für Entwicklungshilfe den Machthabern direkt gegeben wird, ändert sich ebenfalls gar nichts. Das sollte man nach Jahrzehnten begriffen haben.
    Die bauen damit den nächsten Palast, für das Volk ändert sich gar nichts.

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