Weltjugendtag in Köln
Papst lässt Juden und Protestanten hoffen

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch der Kölner Synagoge die gemeinsamen Wurzeln von Juden und Christen betont und vor einem Wiederaufflammen des Antisemitismus gewarnt.

HB KÖLN. Der Papst rief zum gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt auf und geißelte den Nationalsozialismus. Auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus ging er aber nicht ein - anders als es sein Vorgänger Johannes Paul II. in seinem Aufsehen erregenden Schuldbekenntnis „Mea Culpa“ und bei seinem Israel-Besuch im Jahr 2000 getan hatte.

Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, nach der sich die Zuhörer von den Sitzen erhoben und applaudiert hatten. „Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Benedikt XVI. war das erste katholische Kirchenoberhaupt, das eine Synagoge in Deutschland besuchte. 1986 hatte Johannes Paul II. als erster Papst in 2000 Jahren Christentum in Rom ein jüdisches Gotteshaus aufgesucht.

Der Papst traf am Freitag auch führende Protestanten. Nach dem ökumenischen Gespräch mit Benedikt XVI. sah die evangelische Kirche hoffnungsvolle Signale für Fortschritte bei der Annäherung der Konfessionen. Der Papst hatte bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen seinen Willen zur Einheit aller Christen betont.

Laut Redemanuskript sagte er zwar: „Diese Einheit besteht nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche.“ Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte jedoch, Der Papst habe keinen Zweifel daran gelassen, dass die zukünftige Gemeinschaft der Christen „eine Einheit in der Vielfalt“ sein werde. Eine Rückkehr zur katholischen Kirche werde vom Papst nicht als Ökumeneziel verlangt.

Benedikt XVI. sagte laut Redetext, er wisse sehr wohl, dass viele Christen in Deutschland, dem Land der Reformation, weitere konkrete Schritte der Annäherung erwarten. „Auch ich erwarte sie.“ Den Dialog auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens weiterzuführen, sei das Gebot der Stunde. „Es darf aber keinen Dialog um den Preis der Wahrheit geben“, zog der Papst Grenzen. Der Dialog müsse in Liebe und Wahrheit geführt werden. Als Perspektive der Ökumene nannte Benedikt den geistlichen Ökumenismus.

Seite 1:

Papst lässt Juden und Protestanten hoffen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%