Weltjugendtag
Papstbesuch im Zeichen der Bundestagswahl

Er freue sich auf Köln, sagte der Papst in einem Interview mit Radio Vatikan. Dass ihn seine erste Auslandsreise ausgerechnet in sein Heimatland Deutschland führe, sei eine Vorsehung gewesen. Er selbst hätte es nie gewagt, das so einzurichten. "Aber wenn einem der liebe Gott das sozusagen antut, darf man sich darüber freuen", sagte Benedikt XVI.

HB DÜSSELDORF. Die Teilnehmer des Weltjugendtages forderte der Papst auf, sich ein Beispiel an Heiligen und Märtyrern zu nehmen. Benedikt XVI. erhofft sich vom bevorstehenden Weltjugendtag in Köln neue Impulse für das religionsmüde Deutschland und Europa. "Es geschieht viel Christliches, aber es gibt auch eine sehr große Müdigkeit, und wir sind so sehr mit Strukturfragen beschäftigt", sagte der Papst. "Wenn dieser Schwung, das Frohsein, dass wir Christus kennen, wieder neu aufleben würde und der Kirche in Deutschland und auch Europa eine neue Dynamik gäbe, dann denke ich, wäre das Ziel des Weltjugendtages erreicht.“ Die Teilnehmer rief das Oberhaupt der katholischen Kirche auf, den christlichen Glauben als Bereicherung des Lebens zu betrachten und sich für Menschen in Not und den Frieden einzusetzen.

Denn nach einer Studie der Universität Würzburg bezeichnet sich die Mehrheit der deutschen Jugendlichen zwar als gläubig und misst der Religion in der modernen Welt Bedeutung zu. Von der Kirche selbst erwarten die jungen Menschen aber wenig bis gar nichts. „Religiosität ist nicht wirklich in, aber auch nicht wirklich out“, sagte der Professor für Religionspädagogik, Hans-Georg Ziebertz, der die Studie „Jugend in Europa“ leitet. Rund 9 000 Gymnasiasten in acht europäischen Ländern wurden befragt. In vielen Ländern habe die Säkularisierung dazu geführt, dass viele Jugendliche die Kirche als Ratgeberin für ihr Leben erst gar nicht in Betracht zögen. „Es fehlt die Erfahrung, dass kirchliche Religiosität mir etwas bringt“, sagte Ziebertz. Hier kann der Weltjugendtag nach Meinung des Professors als Brückenschlag hilfreich sein.

Rund 400 000 Teilnehmer haben sich bereits für den am Dienstag beginnenden Weltjugendtag angemeldet. Damit liege man an der Obergrenze der Planungen, sagte der Prälat Heiner Koch, Generalsekretär des Weltjugendtages. Bei den registrierten Pilgern habe man einen Rekord in der Geschichte der Weltjugendtage erzielt. Koch rechnet zusätzlich mit einer großen Zahl unangemeldeter Besuchen, die spontan nach Köln reisen werden. Zur Abschlussmesse mit dem Papst am Sonntag auf dem Marienfeld bei Köln erwarten die Veranstalter sogar bis zu 800 000 Menschen. Von den registrierten Besuchern kommen die meisten aus Deutschland. Es gebe aber auch eine hohe Zahl von Italienern und Franzosen, sagte Koch. Zehn Prozent der eingetragenen Besucher sind aus Nordamerika. Aus Afrika kommen drei Prozent der Besucher. Das sei er zwar etwas mehr als sonst, aber immer noch zu wenig, meinte Koch.

Der Papst selbst wird erst am Donnerstag in Köln erscheinen und bis zum Sonntag bleiben. Auch wenn die Veranstalter immer wieder betonen, dass die Reise von Benedikt in erster Linie eine Fahrt zum Weltjugendtag ist und kein Deutschlandbesuch, steht die Papstvisite ganz im Zeichen der bevorstehenden Bundestagswahl. Schon am Tag nach seiner Ankunft trifft der Papst Bundespräsident Horst Köhler in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), CDU-Chefin Angela Merkel und den NRW- Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) hat er zu Audienzen ins Erzbischöfliche Haus nach Köln eingeladen. Benedikt XVI. sucht aber auch den Kontakt mit anderen Religionsgemeinschaften. Er trifft sich mit evangelischen Christen, besucht die Kölner Synagoge und spricht mit Vertretern muslimischer Organisationen.

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