Weltjugendtag
Party mit dem Papst

Der heute beginnende katholische Weltjugendtag wird ein Mammutereignis: Hundertausende Jugendliche aus aller Welt kommen in Köln zusammen - zu Andachten, Gesprächsrunden und Popkonzerten. Gleichzeitig besucht Benedikt XVI., der erste deutsche Papst seit 500 Jahren, sein Heimatland.

HB KÖLN. Für den Papst scheint kein Format zu groß: Seit dem Wochenende lächelt Benedikt XVI. milde von einem haushohen Transparent nahe dem Kölner Dom herab. Er hat die rechte Hand erhoben zu einem riesenhaften Segensgruß. Zweifellos avanciert der heute beginnende XX. Weltjugendtag auch zu Papstfestspielen. Die Karnevals- und Glaubenshochburg wird zur Papa-Domäne. Im schönsten rheinischen Singsang wird bereits verbreitet: „Dä Papst kütt nach Kölle“. Insgesamt soll eine Million Menschen aus mehr als 160 Nationen in den nächsten fünf Tagen an den Rhein pilgern, um sich mit dem Christentum zu beschäftigen.

Der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Meisner sagt launig in froher Erwartung: „Wir haben den ersten Weltjugendtag mit zwei Päpsten: Johannes Paul II. macht von oben mit und Benedikt XVI. von unten.“ Die Anwesenheit Benedikts XVI. von kommendem Donnerstag an bis Sonntag ist für die Bundesrepublik eine historische Sensation: Joseph Ratzinger ist immerhin der erste deutsche Papst nach nunmehr 500 Jahren und unternimmt seine erste Auslandsreise ausgerechnet in die Heimat. Überdies wird er der jüdischen Gemeinde in Köln einen Besuch abstatten und in der Synagoge eine Ansprache halten.

Das geschwungene Logo des Weltjugendtages (WJT) und das Antlitz des neuen Pontifex prägen das Stadtbild schon seit Wochen. Auf Plakaten ist der Papst abgebildet, auf Postkarten, in Magazinen, Devotionalien wie Trinkkrüge und Feuerzeuge tragen sein Konterfei. Nur ein anderer macht Gottes irdischem Stellvertreter noch halbwegs Konkurrenz: Jesus. Denn pünktlich zum Großereignis zeigt das Wallraff-Richartz-Museum die Ausstellung „Ansichten Christi“ von der Antike bis zur Gegenwart“.

Es ist alles vorbereitet für eine perfekte Inszenierung des christlichen Glaubens, die in die gesamte Welt ausgestrahlt wird. Mehr als zwei Jahre haben die Organisatoren der gemeinnützigen Weltjugendtag GmbH dafür aufgewendet. Die Kosten betrugen 100 Millionen Euro und sollen komplett refinanziert werden. Allein 40 Prozent sollen über die Eintrittskarten für Pilger zurückfließen. Selbst der Ausweichstandort für die Abschlussmesse am Sonntag geriet noch zum Volltreffer. Das „Marienfeld“ bei Frechen war einst zwar ein Braunkohleabbaugebiet, noch viel früher, vor 500 Jahren, existierte dort indes ein Kloster, das wegen einer Marienstatue zum Wallfahrtsort wurde. Im Frechener Stadtarchiv ist die Kunde von wundersamen Heilungen nach einer Viehseuche dokumentiert. Auf dem 550 Fußballplätze großen Areal wurde Gras gesät. Für den zehn Meter hohen „Papsthügel“ mussten 5 500 LKW-Ladungen Erde aufgeschüttet werden.

Das religiöse Massenspektakel ist gespickt mit Superlativen (siehe „Glaubensfest der Superlative“). Eine Erwartung gleichwohl wurde im Vorfeld enttäuscht. Es werden absehbar nicht so viele Teilnehmer sein wie vor drei Jahren noch in Toronto. Die Bistümer in NRW melden, dass weit weniger Pilger als prognostiziert Unterkünfte in Schulen, Herbergen und Privathäusern benötigen. Ein Grund für das Fernbleiben scheint vor allem die Erschöpfung vieler zu sein, die zur Beisetzung von Papst Johannes Paul II. und zur anschließenden Papstwahl im April nach Rom gepilgert waren. Dennoch rechnet das Weltjugendtagsbüro in Köln mit insgesamt einer Million Besuchern. Der Papst wird bei der Willkommensfeier am Donnerstag vor rund 650 000 Menschen auf den Rheinwiesen eine Ansprache halten. Am Abschlussgottesdienst wollen 800 000 Christen teilnehmen.

Ansonsten sind etwa 1 000 Veranstaltungen geplant, von denen die meisten im Raum Köln, Düsseldorf und Bonn stattfinden werden. Neben täglichen Domwallfahrten, Andachten, Papstaudienzen für Politiker sind Diskussionen und musikalische Events geplant. Die Stadt Köln und die Sicherheitskräfte stehen vor einer immensen Herausforderung. Die Verkehrsbetriebe haben etwa die Zahl der Bahn- und Busfahrer allein am Samstag auf mehr als 1 000 verdoppelt. Dass der Verkehr in Deutschlands viertgrößter Metropole zusammenbricht, ist trotzdem absehbar. Autobahnabschnitte und Rheinbrücken werden zu bestimmten Anlässen gesperrt. WJT-Geschäftsführer Hermann-Josef Johanns sagte, es werde stundenweise „ein gewisses Chaos“ geben. Doch solle man dies gelassen sehen.

Ohnehin ist Köln an solch einen Besucheransturm gewöhnt. Denn zum Rosenmontag kommt jährlich eine Million Menschen – und die gebärden sich meist wilder als Gäste eines Weltjugendtages.

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