Weltjugendtag
Pilger spülen Geld in Kölner Klosetts

Verkäufer Yaafal hat gut Lachen. Seit zwei Tagen läuft das Geschäft in der Eisdiele „Gelatti“ am Kölner Hauptbahnhof auf Hochtouren. Dreimal mehr Eiscreme als an normalen Tagen verkauft Yaafal. „Wir waren am Dienstag und Mittwoch ausverkauft. Alle 30 Eiskübel waren leer“, freut er sich.

kr KÖLN. Gegenüber von der Eisdiele liegt die Filiale der Imbisskette Nordsee. „Es läuft miserabel“, rutscht es einer Verkäuferin raus, die sogleich von ihrer Kollegin zurückgepfiffen wird. Sie wolle keine Auskunft geben, sagt sie lapidar. Macht auch nichts: Die leeren Tische und Stühle sind Antwort genug.

Völlig anders ist die Lage gleich nebenan im Restaurant der Fast-Food-Kette Burger King. Die Angestellten sind vollauf damit beschäftigt, dem Ansturm an der Theke Herr zu werden. Wie die Ameisen füllen sie Getränkebecher, packen Pommes-Tüten und teilen Burger aus. Die Pilger essen, was sie von zu Hause kennen. Ob Italien, Spanien oder Polen - Burger King gibt es überall. So essen die Kids liebes Pommes statt Schrimps und Burger statt Bismarckhering.

Bis zu 180 Mill. Euro fließen nach Schätzungen der Kölner Industrie- und Handelskammer in die städtische Wirtschaft. Neben den Restaurants profitieren vor allem die Hotels und Herbergen vom Weltjugendtag. Auf rund 16 Mill. Euro schätzen die Experten den Effekt für die Branche. Der Einzelhandel hofft auf 20 Mill. Euro Mehreinnahmen. Die Souvenirhändler in den Straßen sind die größten Nutznießer. Als Verkaufsschlager entpuppen sich vor allem die Nationalflaggen, mit denen die Pilger durch die Straßen ziehen.

Über mangelnden Umsatz kann sich auch Donatus Klotz nicht beklagen. Seine Kneipe, der „Dom Treff“, liegt nur wenige hundert Meter von der Kathedrale entfernt, wo sich täglich die meisten Pilger versammeln. Seine Pizzas, Baguettes und Toasts sind der ideale Happen für den kleinen Hunger zwischendurch. Auch weil die Jugendlichen nicht so viel Geld mitbringen. Verärgert ist Klotz nur über die Pilger, die nur mal eben schnell in sein Cafe huschen, um auf Toilette zu gehen. „Die machen nur alles dreckig“, beschwert er sich. Inzwischen verlangt er 50 Cent von jedem Gast, der nichts bei ihm bestellt hat, und wacht darüber, dass auch ja niemand ohne Bezahlung auf seine Toilette geht.

Die Notdurft der Menschen sind das Stammgeschäft des Toilettenhauses „Mc Clean“ im Kölner Bahnhof. Vor den Kabinen bilden sich lange Warteschlangen. Der Harndrang der Pilger sorgt auch hier für höhere Umsätze als normal. 1,10 Euro kostet der Gang auf die Toilette. Die Jungen sind in doppelter Hinsicht besser dran: Sie brauchen für die Benutzung der Latrine nur 60 Cent zu bezahlen. Oder sie machen es wie eine Gruppe Amerikaner und verrichten ihr Geschäft einfach an der Wand unterhalb der Domplatte. Ob sie wissen, dass dafür ein Bußgeld droht?

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