Weltjugendtag
„Religionsfreie Zone“ will „Heidenspaß“ demonstrieren

Die Organisation „Religionsfreie Zone“ will eine kritische Gegenöffentlichkeit zum katholischen Weltjugendtag (16.-21.8.) in Köln herstellen. Dazu plant der Zusammenschluss mehrerer Institutionen Vorführungen und Aktionen unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenqualen“ während des Weltjugendtages (WJT).

HB KÖLN. „Wir wollen zeigen, dass nicht ganz Deutschland christlich geprägt ist. Mittlerweile gibt es bundesweit mehr Konfessionslose als Katholiken“, sagte der Sprecher des „Heidenspaß-Komitees“ Michael Schmidt-Salomon am Mittwoch in Köln.

„Wir wollen auf eine Situation aufmerksam machen, in der eine Religionsgemeinschaft eine ganze Stadt für sich in Anspruch nimmt. Man kann auch bösartig sagen: Radio Vatikan sendet auf allen Kanälen“, sagte Bildhauer Jacques Tilly vom „Heidenspaß-Komitee“. Er betonte, der Zusammenschluss wolle den WJT nicht stören und auch nicht „katholische Christen beleidigen“. „Wir wollen aber zeigen, dass es auch andere Menschen gibt, die der katholischen Kirche skeptisch gegenüber stehen“, sagte Tilly.

Dazu soll ein von ihm geschaffener Motivwagen mit einem lächelnden rosa Saurier aus Papp-Karton und weißen, lächelnden Schäfchen während des WTJ durch die Straßen der Domstadt fahren. Auf dem Wagen flitzt ein schwarzes Schaf, das die Zähne zeigt, von der Herde in entgegengesetzter Richtung weg. „Ich wollte zeigen, dass Kirche ein wandelndes Fossil ist“, sagte Tilly. Allerdings habe er die Glaubensgemeinschaft nicht als „blutrünstigen Saurier“ dargestellt, sondern „freundlich lächelnd“, meinte der Künstler.

„Dem Saurier wurden durch die Aufklärung die Zähne gezogen und er hat neue Vokabeln gelernt, wie Menschenrechte, Freiheit und Demokratie“, sagte Tilly. Zugleich kritisierte er jüngste Äußerungen des Kölner Erzbischofs Kardinal Joachim Meisner. Der hatte in einem Interview Menschen, die nicht in einem religiös geprägten Elternhaus aufgewachsen sind, als „geistige Krüppel“ bezeichnet. „Wer so austeilt, muss auch einstecken können“, sagte Tilly. Zum karnevalsähnlichen Charakter dieser Aktion sagte „Heidenspaß- Komitee“-Sprecher Schmidt-Salomon: „Der Weltjugendtag bietet viele Parallelitäten zum Karneval.“

Das Komitee, das sich aus Vertretern verschiedener Organisationen und Privatpersonen zusammensetze, bekomme schon jetzt viele Rückmeldungen, sagte Schmidt-Salomon. Außerdem will das „Heidenspaß- Komitee“ Devotionalien-Pakete mit Büchern und der CD „Jesus war so cool“ als Gegenstück zum WJT-Pilgerrucksack verteilen.

Bei weiteren Aktionen während des WTJ sind auch eine „Kirchenaustrittsparty“ am Amtsgericht sowie eine „Enttaufungszeremonie“ mit anschließender DJ-Party geplant. Außerdem seien Vorträge organisiert, etwa „Kardinal Meisner - der heilige Narr vom Rhein“ des Philosophen und Theologen Professor Hubertus Mynarek. Zum Zusammenschluss „Religionsfreie Zone“ gehören etwa das Forum Kritische Psychologie, der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), das Kölner KAOS Kunst- und Video-Archiv und die Giordano Bruno Stiftung mit Sitz in Mastershausen nahe Koblenz.

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