Weltjugendtag
Vatikan gibt keinen Cent

Der Etat für den Weltjugendtag (WJT) umfasst fast 100 Millionen Euro. Das Geld kommt von den Pilgern, aus öffentlichen und kirchlichen Mitteln sowie von Sponsoren. Einen Gewinn werden die Veranstalter wohl trotzdem nicht machen. Nur die Kölner Wirtschaft kann sich auf klingelnde Kassen freuen.

HB KÖLN. "Unser Ziel ist eine schwarze Null, aber bisher ist es noch keinem vorangegangen Weltjugendtag gelungen, ohne Defizit abzuschließen", erklärt Hermann-Josef Johanns, Geschäftsführer des WJT. Auf der Einnahmeseite kommt der größte Teil mit 40 Prozent von den bisher mehr als 370 000 angemeldeten Pilgern aus gut 160 Ländern. "Die Zahlungsmoral der Pilger ist sehr gut, wir liegen hier bei den Einnahmen um rund fünf Millionen Euro über der ursprünglichen Plangröße", sagt Johanns. Der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen, die EU und die Stadt Köln lassen dem WJT insgesamt 13,5 Millionen Euro zukommen und bestreiten damit rund 15 Prozent der Einnahmen. Weitere 15 Prozent sind unter "Eigenleistung" verbucht - also zum Beispiel Sponsorengelder, Souvenirverkäufe oder WJT-Lotterie-Einnahmen.

Die katholische Kirche Deutschlands steuert einen Anteil von 30 Prozent der Gesamteinnahmen aus Kirchensteuermitteln bei. Formell gelten die 26 Millionen Euro als Darlehen, faktisch ist die Summe aber ein Zuschuss. Dass der WJT einen nennenswerten Überschuss macht und den Kredit zurückzahlt, gilt als sehr unwahrscheinlich. Das Geld sei aus allen 27 deutschen Bistümern je nach deren Wirtschaftskraft geflossen, erklärt Johanns: "Es ist selbstverständlich, dass Köln mehr bezahlt als etwa Dresden oder Erfurt."

Angesichts der knappen Kirchenkassen ist der WJT-Etat ein großer Batzen. Das Erzbistum Köln, das größte in Deutschland, will seinen Etat von 680 Millionen Euro in den kommenden Jahren um 13 Prozent senken. Zu einem möglichen Defizit nach dem Weltjugendtag will sich Generalvikar Dominik Schwaderlapp zunächst nicht äußern. Angesichts sinkender Einnahmen durch Kirchensteuern sind auch andere Bistümer zum Sparen gezwungen. Der Vatikan hat zwar zum Weltjugendtag eingeladen, ist aber an dessen Finanzierung nicht beteiligt.

Zu den noch nicht kalkulierbaren finanziellen Risiken zählt die Frage, in welchem Zustand die 800 000 Pilger das Marienfeld westlich von Köln nach der Abschlussmesse mit Papst Benedikt XVI. am 21. August zurücklassen. "Vieles hängt auch vom Wetter ab und davon, wie schnell das Areal rückgebaut werden kann, damit die Landwirte schon die Winterfrucht einbringen können", sagt Johanns. Sonst müssten möglicherweise Ernteausfälle bezahlt werden.

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