Weltraumtourismus
Für 100 000 Dollar ein Ticket ins All

Vor fünf Jahren, am 28. April 2001, flog der US-Multimillionär Dennis Tito als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation ISS. Seitdem sitzt der neue Industriezweig Weltraumtourismus in den Startlöchern und träumt vom großen Geld. Die Branche preist das Urlaubsziel Weltraum bereits als einzigartiges Vergnügen.

HB WASHINGTON. Nervenkitzel und Herzpochen gepaart mit erstaunlicher Sicht und endlosem Spaß in der Schwerelosigkeit. In zwei Jahren sollen die ersten privaten Raumschiffe in mehr als 100 Kilometer Höhe über der Erde am Rand des Weltalls kreuzen.

Tito ließ sich wie seine beiden bisherigen Nachfolger, der Südafrikaner Mark Shuttleworth (2002) und der US-Bürger Gregory Olson (2005), das Weltraumabenteuer 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) kosten. Bei knapp 800 Milliardären und 8,3 Millionen Millionären weltweit sieht die Branche keinen Mangel an Reisewilligen. Das auf die Vermittlung von Weltraumflügen spezialisierte Unternehmen Space Adventures in Vienna (Virginia) bei Washington reservierte jetzt dem Japaner Daisuke Enomoto als viertem Weltraumtouristen einen Platz an Bord einer russischen Sojus-Kapsel.

Die Sojus-Buchungen sieht Space Adventure nur als Notlösung. Die ehrgeizigen Pläne reichen viel weiter. In Singapur und im Emirat Ras al-Chaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sollen bis 2008 zwei Weltraumbahnhöfe entstehen. Die Investmentfirma Prodea aus Texas und die russische Raumfahrtagentur sollen ein völlig neues Raumschiff für fünf Passagiere entwickeln. Für 100 000 Dollar können künftige Weltraumtouristen dann ein Ticket lösen. Nach der Rückkehr zur Erde darf sich jeder Astronaut nennen. Space Adventures rechnet nach eigenen Angaben mit 5000 bis 10 000 Passagieren pro Jahr.

Auch beim größten Konkurrenten, Virgin Galactic, sind Geld und Know-how eine Fusion eingegangen. Der britische Fluglinien-Mogul und Multimillionär Richard Branson versicherte sich der guten Dienste des ersten privat finanzierten Raumschiffes „SpaceShipOne“ vom kalifornischen Unternehmen Scaled Composites. An Bord des Nachfolgemodells werden sieben oder acht Menschen den „Bungee-Sprung in den Orbit“ machen. Nach fünf Minuten in der Schwerelosigkeit segelt „SpaceShip Two“ zur Erde zurück.

Obwohl Virgin Galactic rund 200 000 Dollar für die zweieinhalb Stunden Flugvergnügen verlangt, haben nach Unternehmensangaben 157 Personen bereits gebucht; darunter Prominente, Schauspieler und Musiker wie David Navarro, Ex-Gitarrist von den Red Hot Chili Peppers. Manchem Star oder Sternchen wird aber selbst ein dickes Bankkonto nicht helfen: Bei Brustimplantaten oder Herzproblemen wollen die Veranstalter kein Risiko eingehen.

Langfristig träumt die Branche vom Aktivurlaub im Weltraum-Hotel mit Weltraumspaziergängen und Weltraumdiät. Die gut zahlende Klientel kann dann nach Vorstellung der Veranstalter auch eine Woche lang auf Foto-Safari gehen: Wüsten oder Berge, Vulkan-Ausbrüche oder große Waldbrände, Sonnenaufgang oder Nordlichter. Und dann locken da noch die Weltraumhochzeiten – zumal es bei Gruppenreservierungen Rabatt geben soll.

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