Wenige Männer zeugten die Nachkommen
Vielweiberei war weiter verbreitet als gedacht

Die Monogamie ist nach Einschätzung einer italienischen Forscherin eine relativ junge Erfindung. Noch vor 70 000 bis 20 000 Jahren hatte ein Mann demnach häufig mehrere Frauen, wie der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung am Dienstag in Bern berichtete.

HB/dpa BERN/FERRARA. Isabelle Dupanloup von der Universität Ferrara (Italien) hatte genetische Unterschiede auf einem Erbgutträger von Männern, dem Y-Chromosom, untersucht und mit Erbgut verglichen, dass nur von Frauen weitergegeben wird. Aus diesen Daten folgerte sie, dass nur relativ wenige Männer während eines Teils der Altsteinzeit ihre Gene weitergegeben haben.

„Vermutlich war es während eines großen Zeitabschnitts der Menschheitsgeschichte einfach so, dass wenige Männer viele Kinder zeugten und viele Männer überhaupt keine Nachkommen hatten“, sagte Dupanloup, die das Erbgut von 2000 Männern heutiger Zeit verglichen hatte. „Nur eine kleine Untergruppe der Männer hat ihre Gene den zukünftigen Generationen weitergegeben.“ Diese These deckt sich nach Angaben des Schweizer Fonds auch gut mit ethnologischen Daten: Bei bestimmten großen Primaten wie Gorillas und bei Urvölkern sei die Polygynie (Vielweiberei) weit verbreitet.

Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt und ist in der Fachzeitschrift „Journal of Molecular Evolution“ (Bd. 57, S. 85) veröffentlicht.

Das Y-Chromosom besitzen nur Männer. Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, enthalten dagegen ausschließlich genetisches Material der mütterlichen Seite. Auf diese Tatsache stützt sich die relativ junge Wissenschaft der Populationsgenetik, die bislang zu recht unterschiedlichen Ergebnissen kam: Im Jahr 1998 schlossen Forscher aus einem Vergleich des Erbguts heutiger Menschen, dass Frauen in der Menschheitsgeschichte wesentlich weiter gewandert sind als Männer. In einer Studie mit genetischen Daten aus Europa, Asien, Afrika und Amerika fand Mark Seielstad von der Harvard Universität in Cambridge (US-Staat Massachusetts) weitaus mehr Ähnlichkeiten in den weiblichen Erbinformationen als in den männlichen.

Eine weitere genetische Studie datierte die „genetische Urmutter“ auf 143 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die weibliche Vererbungslinie ist demnach auf diese „Eva“ zurückzuführen, die in Afrika lebte. Dagegen beruhe die weltweit vorherrschende Variante des männlichen Y-Chromosoms auf dem Erbgut eines Mannes, der vor 59 000 Jahren zur Welt gekommen sei, berichtete ein Team um Peter Underhill von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) im Oktober 2000.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%