Weniger Opfer als bisher angenommen
Opferzahl des Kraftwerksunfalls nach unten korrigiert

Die nach dem schweren Baustellenunglück im rheinischen Grevenbroich zunächst angegebene Zahl an Todesopfern muss nach unten korrigiert werden. Nach neuesten Erkenntnissen sind drei Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer sollen am Freitag geborgen werden.

HB GREVENBROICH. Harald Viethen, Sprecher des Rhein-Kreises Neuss, sagte zur zunächst genannten Zahl von fünf Toten: „Diese Zahlen haben sich glücklichweise als falsch herausgestellt, weil doch weniger Menschen auf dem Gerüst arbeiteten als zunächst geglaubt“. Zur Stunde werde aber zusätzlich noch ein Arbeiter vermisst.

Wie es aus Polizeikreisen hieß, hängt einer der Toten noch an einem Sicherungsseil in 130 Metern Höhe, der zweite liegt auf einem Querträger in 70 Metern Höhe. Der dritte Tote liegt auf dem Boden unter einem Gerüstteil. Geborgen werden konnten die Leichen bislang aber noch nicht. Der Kreis-Sprecher sagte, derzeit seien noch Statiker im Einsatz, um einen Weg zu finden, wie die Leichen trotz der bedrohlich über der Unglücksstelle hängenden Stahlgerüstteile geborgen werden könnten. Weiterhin unklar sei auch die Ursache. „Wir arbeiten mit Hochdruck“, sagte Viethen zu den Ermittlungen.

Der Unfall hatte sich am Donnerstagnachmittag gegen 16.30 Uhr ereignet. Nach Angaben des Stromkonzerns RWE, hatten sich Teilstücke des Großkesselgerüsts - so genannte Seitenwandbandagen - gelöst und stürzten aus mehr als 100 Meter zu Boden. Die Konstruktion aus mehreren Stahlträgern hatte ein Gewicht von mehr als 450 Tonnen. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und sperrte den Unfallort großräumig ab. Die Bergungsarbeiten sollen am Freitag noch vor Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen werden. Die Bauarbeiten werden nach ersten Schätzungen bis mindestens Montag ruhen.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Innenminister Ingo Wolf eilten noch am Abend an die Unglücksstelle und sprachen den Betroffenen ihr Mitgefühl aus. Auch der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann sprach den Angehörigen sein Beileid aus. In einer Mitteilung Großmanns heißt es: „Ich hoffe, dass die Schwerverletzten gerettet und der noch vermisste Kollege so rasch als möglich wohlbehalten gefunden werden können. Es ist tragisch, dass gerade die Arbeiten auf dieser so zukunftweisenden Baustelle von solch einem schrecklichen Unfall überschattet werden. Allen Helferinnen und Helfern danke ich für ihren Einsatz und allen anderen Beteiligten für die große Unterstützung.“

Der Energiekonzern errichtet in Grevenbroich-Neurath das modernste Braunkohlenkraftwerk Europas. Im Betrieb soll es wesentlich weniger CO2 ausstoßen als alte Anlagen. Der rund 2,2 Milliarden Euro teure Bau ist ein Prestigeobjekt für das Unternehmen und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Das Projekt war bis zuletzt umstritten, da Braunkohlekraftwerke das Klima besonders stark belasten. Die beiden Blöcke sollen 2010 ans Netz gehen.

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