Weniger Professuren
Schlechte Nachrichten im „Jahr der Geisteswissenschaften“

Rund 1 500 Professorestellen wurden in den vergangenen zwölf Jahren in Deutschland abgebaut. Doch die Verteilung auf die Fakultäten ist sehr unterschiedlich. Besonders hart trifft es die Geisteswissenschaften –und das obwohl sie nach wie vor zu den beliebtesten Studienrichtungen zählt.

kri DÜSSELDORF. Zwei geisteswissenschaftliche Fächer sind vom Kahlschlag an den deutschen Hochschulen besonders betroffen: Altphilologie und Erziehungswissenschaften. In beiden Fachrichtungen wurden seit 1995 35 bzw. 34,8 Prozent der Professuren abgebaut.

Der Deutsche Hochschulverband, mit 22 000 Mitgliedern eine einflussreiche Berufsvertretung, hat die Zahlen des Statistischen Bundesamtes ausgewertet und Alarm geschlagen. So seien insgesamt im Zeitraum von 1995 bis 2005 in Deutschland rund 1 500 Professorenstellen nicht neu besetzt und damit abgebaut worden. Doch die Verteilung auf die Fakultäten ist sehr unterschiedlich.

Besser ausgestattet als vor zwölf Jahren sind nur vier Fächer: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die zusammen 5,6 Prozent mehr Professuren haben, und Kunstwissenschaft mit einem Zuwachs von 9,4 Prozent. Auch Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften verloren Professuren.

Doch die Geisteswissenschaften trifft es besonders hart, obwohl sie nach wie vor bei Studienanfängern sehr beliebt sind. 2005 war ein Viertel alle Studierenden in einem geisteswissenschaftlichen Studiengang immatrikuliert, die meisten in Germanistik.In diesem Fach sind die Zahlen nicht so dramatisch wie bei den Altphilologen, aber immerhin ging die Zahl der Professoren um 84 Stellen zurück. In Geschichte sank die Zahl der Professoren seit 1995 um 66 Stellen, das waren 9,6 Prozent weniger.

Der Kommentar von Bernhard Kempen, Präsident des Hochschulverbandes, zu den Professorenstellen ist eindeutig: „Angesichts dieser Zahlen brauchen wir im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 nicht darüber zu streiten, ob es eine wirkliche oder eine gefühlte Krise der Sprach- und Kulturwissenschaften in Deutschland gibt.“ Kempen weist auf das Verhältnis von 60 Studierenden pro Hochschullehrer hin und fordert eine Aufstockung der Professorenstellen: „Die Exzellenzinitiative ist gut und nützlich, aber mit immer weniger Professoren kann das Gesamtsystem nicht besser werden.“

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