Wenn das TV das Netz umwirbt
App „Quizduell“ soll ins Fernsehen

Mit der App „Quiz-Duell“ sind viele Millionen Deutsche bestens vertraut. Jetzt soll der Smartphone-Spaß auch ins Fernsehen. Aber Skepsis ist angebracht: TV und Web sind noch lange keine Freunde.    
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BerlinEs sollte der große TV-Coup werden, dann geriet es zum bislang größten TV-Flop des Jahres: „Die Millionärswahl“, Anfang Januar bei ProSieben und Sat.1 gestartet, sollte den großen Bogen schlagen vom Kandidatenaufruf im Internet bis zur Ausstrahlung im alten Medium Fernsehen mit seinen klassischen Formen. Doch die Gratwanderung zwischen den Welten misslang. Zu wenige Zuschauer wollten das Spektakel im TV sehen.

Das Ineinandergreifen der beiden Parallelwelten Fernsehen und Internet scheint längst nicht zu funktionieren; zumindest nicht, wenn Fernsehmacher die Netz-Community für ihre Interessen gewinnen wollen, so wie im Fall der „Millionärswahl“. Nun betritt ausgerechnet die alte Lady ARD Neuland und entwickelt ein Fernsehformat, das dem Siegeszug einer App für die Flimmerkiste nutzen soll: Das „Quizduell“ soll demnächst im Vorabendprogramm für Belebung sorgen.

14 Millionen registrierte Teilnehmer und neun Millionen regelmäßige Spieler bilden laut ARD das Potenzial für eine erfolgreiche Rückkehr des Genres Quiz in den Vorabend, das mit dem Weggang von Jörg Pilawa zum ZDF 2010 begraben wurde und weitestgehend den Schmunzelkrimis in der Reihe „Heiter bis tödlich“ Platz machen musste. Es liege nahe, die beeindruckende Erfolgsgeschichte des „Quizduells“ ins Fernsehen zu übertragen, sagt Jan Schulte-Kellinghaus von der ARD Koordination Vorabend.

Damit würde „Das Erste“ als erster Sender weltweit eine TV-Show aus einer Smartphone-App entwickeln und zur Ausstrahlung bringen, heißt es weiter. „Unser Ziel ist es, in der TV-Show den multimedialen Charakter der App zu erhalten und so den Zuschauern die Möglichkeit des Mitspielens auch vor dem Bildschirm zu eröffnen.“ Doch noch seien offene Fragen zu klären, ehe das „zugegebenermaßen ehrgeizige Vorhaben“ auch tatsächlich umgesetzt werden könne.

Medienkritiker Bernd Gäbler, früher Chef des Grimme-Instituts in Marl, sieht das Bemühen der klassischen Programmanbieter um die digitale Generation mit Skepsis. „Ich wage die Prognose: Das Publikum der ARD am Vorabend wird zur überwiegenden Mehrheit beim passiven "lean back" bleiben“, sagt Gäbler und meint damit: Wer im „Ersten“ Ratespiele konsumieren will, gehört nicht zu denen, die sich aktiv auf einem anderen Bildschirm, genannt „second screen“, am TV beteiligen würden, sondern er will einfach nur gucken.

Immer noch wirke das Zusammenspiel von Internet und TV wie ein Experiment - „gut gemeint, aber etwas dilettantisch realisiert“, fährt der Kritiker fort. „Von einer echten Verzahnung der Medien, von einem großen crossmedialen Format, gar einem Durchbruch zur Interaktivität kann noch keine Rede sein.“ Auch Pilawa interessiere offensichtlich nicht der Transfer aus der digitalen Welt ins TV. Heiß mache ihn wohl schlicht die Tatsache, dass schon viele Millionen Menschen das „Quizduell“ spielten.

Neben dem „Quizduell“ springt auch das Online-Satiremagazin „Postillon“ beim NDR ins TV. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender haben schon viel Interaktion versucht: Bei Talks werden Twitter-Tweets vorgelesen, Krimis wie der „Tatort“ werden im Netz fortgesetzt. Im Privat-TV zum Beispiel setzt ProSieben „Germany's next Topmodel“ nach dem Fernsehen mit dem Web-Magazin „Etage 7“ fort, doch harmonisch und wie aus einem Guss sind die Versuche der Integration nicht gerade. Die Video-Plattform Youtube dient dem TV auch als Vehikel: Ob für Pannenshows oder zur Bewerbung fürs Torwandschießen beim ZDF-„Sportstudio“.

Auch ganze Sender haben sich dem Netz gewidmet, der Erfolg ist indes überschaubar: Giga machte Ende der neunziger Jahre als interaktiver Kanal im Fensterprogramm bei NBC Europe von sich reden, war zwischen 2006 und 2009 eigenständig, wurde aber Anfang 2012 eingestellt. Seit einem halben Jahr will der Schweizer Sender joiz die deutschen Jugendlichen dafür begeistern, den ersten und zweiten Screen dem Sender zu widmen. Im Prinzip ist das Mitmach-TV. Das gab es schon bei Shows wie „Der Goldene Schuß“ (1964-1970), „Vier gegen Willi“ (1986-1989) oder „Wünsch Dir was“ (1969-1972). Damals wurde zwar nicht per Whatsapp oder Facebook mitgemischt, die Interaktion erfolgte aber per Telefon, den Wasserverbrauch oder über den angeknipsten Lichtschalter.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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