Wenn Männer Väter werden
Ein bisschen schwanger

Über die Mutterschaft wurden unzählige Bücher geschrieben. Doch auch Männer verändern sich, wenn sie zu Vätern werden. Liam Gallagher etwa, der wegen Schlägereien, Alkohol- und Drogeneskapaden legendäre Leadsänger der Rockband Oasis, zieht mittlerweile gemeinsame Unternehmungen mit den beiden Söhnen wilden Partys vor.

DÜSSELDORF. Ich mag Kinder. Sogar sehr. So sehr, dass ich mittlerweile immer häufiger mit dem Gedanken liebäugele, selbst Nachwuchs in die Welt zu setzen. Aber ich will wissen, was auf mich zukommt. Ich werde Windeln wechseln, ständig übermüdet sein, Pflaster auf aufgeschürfte Knie kleben, diskutieren, ob 11-Jährige wirklich Designerjeans brauchen … natürlich. Aber das meine ich nicht. Mich treibt um, was mit mir geschieht, mit mir als Person. Werde ich als Vater ein anderer Mensch sein als heute?

Ja – zumindest wenn man den Bekenntnissen einiger Stars aus dem Musik- und Filmbusiness Glauben schenkt. Liam Gallagher, der wegen Schlägereien, Alkohol- und Drogeneskapaden legendäre Leadsänger der Rockband Oasis, zieht mittlerweile gemeinsame Unternehmungen mit den beiden Söhnen wilden Partys vor. „Ich liebe es, Zeit mit den Kindern zu verbringen und schwimmen zu gehen“, sagte er dem britischen „Mirror“. Für Schauspieler Johnny Depp, einst wegen zahlreicher Affären und einiger zertrümmerter Hotelzimmer berüchtigt, ist die Familie heute das Wichtigste im Leben. Früher wäre er ein „Trottel“ gewesen, jetzt sei er zwar „langweilig“, aber glücklicher, so der zweifache Vater. Auch dem Dasein von Rapper 50 Cent hat erst Sohn Marquis die entscheidende Wende „zum Positiven“ gegeben, wie der 32-Jährige vor kurzem im „Zeitmagazin Leben“ verriet: „Er hat mich dazu gebracht, nicht mehr gegen das Gesetz zu verstoßen.“

Nun bin ich weder prügelnder Brit-Popper noch wegen Drogendelikten vorbestrafter Gangster-Rapper, sondern nur ein relativ normaler Mann im heiratsfähigen Alter. Ich mag ruhige Abende zu Hause, gehe aber ebenso gerne auf Konzerte, in Kneipen oder in Clubs zum Tanzen. Das kann dann mitunter länger dauern, und es darf auch mal das eine oder andere Bier mehr sein. Ein ganz normaler kinderloser Mann eben.

So wie mein bester Freund Stephan – bis vor drei Jahren. Da kam seine Tochter zur Welt, und seitdem verlaufen unsere gemeinsamen Samstagabende anders als zuvor. Statt Bier gibt es Bionade, und spätestens ab eins plädiert er mit Vehemenz dafür, die Segel zu streichen und den Heimweg anzutreten. Nicht weil er früh aufstehen muss – seine Frau hält ihm in solchen Fällen den Rücken frei. Sondern weil er früh aufstehen will: „Dann habe ich mehr Zeit mit den Kindern.“

Die beiden – vor einem Jahr folgte das zweite Töchterlein – dürfen sich glücklich schätzen, denn Stephan ist ein großartiger Vater. Er schmiert Brote, gibt Fläschchen, baut Sandburgen, singt Schlaflieder und beantwortet mit Engelsgeduld die endlosen Fragen 3-jähriger Mädchen. Ich wundere mich darüber, denn Geduld gehörte früher nicht zu seinen Stärken.

Doch dies sind nur Beobachtungen eines mit ziemlicher Sicherheit voreingenommenen Betrachters. Harte wissenschaftliche Fakten müssen her. Die sind rar gesät, wie sich beim Durchforsten einschlägiger Datenbanken schnell herausstellt. Es gibt jede Menge Studien zu allen nur erdenklichen Veränderungen, die das Mutterglück mit sich bringen könnte: körperliche, psychische, hormonelle, soziobiologische, neurophysiologische … Doch für die Väter scheint sich die Forschung nicht zu interessieren. Ich dachte eigentlich, dass zum Kinderkriegen und idealerweise auch zum Aufziehen des Nachwuchses zwei dazu gehören. Doch einer der wenigen Recherchefunde, ein Übersichtsartikel, belehrt mich, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Vaterschaft – wenn überhaupt – nur eine „Möglichkeit zum besseren Verständnis mütterlichen Verhaltens“ sei, weil man so „elterliche Verhaltensweisen in Abwesenheit von Schwangerschaft und Stillen“ untersuchen könne. Nicht gerade schmeichelhaft.

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