Wer einmal obdachlos war, hat es sehr schwer eine Wohnung zu bekommen
Armut und Elend in Deutschland nimmt zu

Die Obdachlosen-Zahlen sind in einigen Regionen Deutschlands wieder dramatisch angestiegen. Und dabei wird das Elend der Ärmsten immer schlimmer,

HB HAMBURG. Im Jahr 2002 waren nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe 410 000 Menschen in Deutschland ohne eigene Wohnung, rund 20 000 lebten ganz auf der Straße. Die Zahlen waren von 500 000 im Jahr 2000 und 440 000 im Jahr 2001 zurückgegangen - jetzt drohen sie erstmals wieder zu steigen. „Während der Wohnungsmarkt beispielsweise im Ruhrgebiet ausgeglichen ist, gibt es in Ballungsgebieten wie Frankfurt am Main, Stuttgart oder München deutliche Verknappungen von Wohnraum“, sagt Fachreferentin Werena Rosenke. Allein in Frankfurt schnellte die Zahl der Menschen ohne Wohnung nach Angaben der Stadt im laufenden Jahr um 20 Prozent in die Höhe.

Wer einmal in kommunalen Unterkünften für Obdachlose war, habe es heute weit schwerer als bisher, wieder an einen normalen Mietvertrag zu kommen, sagt Ekke-Ulf Ruhstrat, der die aktuelle Situation derzeit bei der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung in Bremen untersucht. Selbst staatliche Mietzuschüsse helfen oft nichts.

Die Zahl der neu geförderten Sozialwohnungen ist von rund 162 000 im Jahr 1994 beständig auf 38 000 im Jahr 2001 gesunken - Tendenz weiter fallend, wie eine Sprecherin des Statistischen Bundesamts berichtete. Und private Wohnungsbaugesellschaften, auch große städtische, vermieten lieber an sicherere Kunden. „Für bestimmte Leute gibt es hohe soziale Barrieren“, sagt Ruhstrat, „es wird wieder genauer hingeguckt.“

In den städtischen Hilfsstellen weiß man längst, was das bedeutet. Aus Nürnberg und Umgebung berichtet der Koordinator der dortigen Wohnungslosenhilfe, Willi Kronberger: „Die Mitarbeiter der Beratungsstellen hatten es früher leichter, Leute mit Problemen in Wohnungen unterzubringen.“ Und aus München berichtet der dortige Hilfekoordinator Thomas Duschinger: „Bei uns ist es sehr drastisch.“ Mietwohnungsbau finde in der Stadt „nicht mehr statt“, es herrsche Wohnungsnot. Die Behörden versuchten, vom Land hereinkommende Obdachlose möglichst schnell wieder zurückzuschicken.

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