Wer sich langweilt, macht was falsch
Ein Virus auf Wasser

Der schwimmende Robinson-Club boomt: Jetzt gibt es schon das dritte „Aida“-Schiff. Was ist so toll am Dampfer mit dem Lächel-Mund? „Die Aida ist wie ein Virus“, heißt es voller Begeisterung, überall an Bord befinden sich Wiederholungstäter.

"Fünf“, schreit die Bingospielerin, „gib’ mir eine Fünf!“ „Eine 18, ich will die 18.“ Genüsslich spielt der Moderator mit den hochkochenden Emotionen seiner überwiegend weiblichen Zockerinnen. „Sagt mir, was ihr von mir wollt!“, haucht er provozierend ins Mikrofon. Danach hält es die achtjährige Lydia nicht mehr auf ihrem Stuhl: „Die Siiiiiiiiiiiiiieben“, kreischt sie in höchsten Frequenzen, wobei es sie fast von ihrem Sitz reißt. Ganz wie die Alten.

Denn nicht alte Damen mit lila Dauerwellen haben sich in der Calypso-Bar des Clubschiffs Aida-Cara zum Bingo versammelt. Das tägliche Spiel um Zahlen, Zufall und einen Jackpot von rund 500 Euro lockt vor allem Mädchen zwischen sechs und dreizehn Jahren. „Wir sind ein Schiff für das junge und jung gebliebene Publikum“, sagt Seetours-Sprecherin Sandra Groß. Der Altersdurchschnitt liegt bei 40 Jahren – und während der Schulferien etwas niedriger: Dann sind die Kids mit an Bord.

Fokus liegt auf jüngerer Zielgruppe

Dass sich auf den Routen in Karibik, Mittelmeer, Mittelamerika und Asien nicht die übliche Kreuzfahrtklientel trifft – gut betuchte Eheleute von 50 an aufwärts –, sondern Paare, Singles und Familien zwischen 25 und 55, dafür ist das Clubkonzept verantwortlich, das Betreiber Seetours von erfolgreichen Vorbildern wie Robinson, Aldiana oder Club Med abgeguckt hat. „Wer sich langweilt, macht irgendetwas falsch“, sagt ein Passagier aus Düsseldorf. Der Großteil der Kundschaft ist offenbar ähnlich zufrieden: Der Club auf dem Wasser kommt so gut an, dass jetzt noch ein weiteres Schiff in Dienst gestellt wurde – das dritte in sieben Jahren.

Das Konzept auf der neuen Aida Aura unterscheidet sich nur in Nuancen von den Schwesterschiffen Cara und Vita – und die Nuancen sind Verbesserungen am Schiff: „Es ist ausgereifter“, sagt Sandra Groß für Seetours, „wir sind raus aus den Kinderschuhen.“

So gibt es jetzt etwa Toiletten an beiden Enden des Schiffs – vorher musste man einmal quer bis zum Bug jetten –, das Achterdeck beleben jetzt gleich zwei Bars, und die Disco lässt sich nun auch in einem Außenbereich genießen. Zusätzlich präsentiert sich der Wellnessbereich vergrößert und modernisiert. Golffans finden jetzt nicht nur einen Golfsimulator, heimlichen Boxern steht zudem ein Punchingball zur Verfügung. Wer sich auf sich selbst besinnen will, ist in den neuen Yogakursen richtig. Ansonsten bleibt alles beim Alten.

Der Aida-Virus

„Die Aida ist wie ein Virus“, sagt einer, der es wissen muss: Zusammen mit seiner Frau Susanne und den beiden Kindern ist Rainer schon das sechste Mal auf der Aida. Und damit ist der Kölner beileibe kein Einzelfall: Überall an Bord befinden sich Wiederholungstäter. Ein Durchschnitt von drei Mal scheint normal. „Die Aida verkauft sich wie geschnitten Brot“, erläutert Monika Scholz-Seitz, Inhaberin eines großen deutschen Tui-Centers in Aschaffenburg, ihren Bestseller.

Und was genau gefällt den Gästen so an der Aida? Immerhin gibt es deutlich exklusivere Kreuzer wie die MS Europa, das wohl feinste deutsche Schiff. Oder die Seacloud, der Traum aller Segelfreaks. Das Erfolgsgeheimnis der Aida sei „die lockere Atmosphäre“ – dieser Satz kommt fast einheitlich von vielen Gästen. Will heißen: Es gibt keinen Tischzwang, keine fixen Essenszeiten, außerdem müssen sich die Passagiere zu den Mahlzeiten „nicht immer verkleiden“, also tischfein machen. Der Smoking kann zu Hause bleiben.

Captain’s Dinner gibt es nicht

Einigen scheint das dann doch ein ganz klein wenig zu locker. Wenigstens ein Captain’s Dinner könnte man ja anbieten. Das gehört für viele passionierte Kreuzfahrer einfach dazu. Für eine gewisse Feierlichkeit bürgt jedoch das Gourmetrestaurant „Maritim“ mit zweitäglich wechselndem Menü und ausgesuchten Weinen. Die Pflicht zur Voranmeldung sorgt für formvollendete Authentizität; ganz wie in einem ausgezeichneten Nobel-Restaurant an Land.

Überhaupt das Essen: Auf zwei Etagen gibt es täglich wechselnde Buffets mit jeweils unterschiedlichen Mottos. Anders als man das von Selbstbedienungstresen gemeinhin gewohnt ist, bereitet die weiße Brigade die leckeren Köstlichkeiten permanent frisch zu, und der Nachschub funktioniert reibungslos. So stehen Aida-Genießer auch am späteren Abend nicht vor abgeräumten Platten und leer gekratzten Schüsseln. Selbst um 21.15 Uhr sind die Lammkoteletts noch rosig, die Salatauswahl reichhaltig und die Käseplatten üppig gefüllt.

Die Kellner haben so viel Spaß wie die Gäste

Für das flüssige Wohl ist gesorgt bei einer täglichen Happy Hour, zu der jeweils andere, phantasievolle Cocktails zum halben Preis ausgeschenkt werden. Zu Tisch gibt’s die Wahl zwischen weißem und rotem „Hauswein“. Bei all dem haben die philippinischen Kellner ganz offensichtlich genauso viel Spaß wie die Gäste. Sie scherzen mit ihnen und necken sie auch schon mal freundschaftlich – am liebsten natürlich auf Englisch. Weil aber die Aida ein Schiff für Deutsche ist, sprechen die meisten auch die Landessprache. Auch auf Deutsch sind die verschiedenen Ausflugsprogramme – auf internationalem Level: Bei den Landgängen hat man sich für alle Geschmäcker etwas Spannendes ausgetüftelt. Hier zeigen die Aida-Macher nochmal so richtig, was sie draufhaben. Das Club- Entertainment-Prinzip wird konsequent durchgehalten. Beispiel Neapel. Lust auf Kultur? Auf Shopping? Auf eine Vesuv-Wanderung oder den Besuch des legendären Pompeji? Alles möglich, alles drin.

Wer will, schlendert individuell durch die Stadt, die sich mit engen, mit Wäsche behängten Straßen auch im dritten Jahrtausend genauso präsentiert wie in den Filmen der 50er- und 60er-Jahre. Wer sich die historischen Highlights – die Jesuitenkirche Gesu Nuovo beispielsweise oder die unterirdischen Ausgrabungen von San Lorenzo – anschauen möchte, bucht die Panoramafahrt. Wer das nach einem Vulkanausbruch verschüttete Pompeji entdecken will, bucht die Tour zum Fuße des Vesuv. Oder schließt sich gleich der Gruppe an, die den Krater des bis heute aktiven Vulkans erkraxelt. Wer die idyllische Amalfi-Küste erkunden will, der kann dies ebenso geführt tun wie derjenige, der schon immer mal die Blaue Grotte von Capri sehen wollte. Und wer schließlich lieber den Golfschläger schwingt im Club Volturno: alles möglich, alles drin.

Der Hit ist das Entertainment-Programm an Bord

Hier ist Entscheidungsstärke gefragt. Zwischen den verschiedenen Kursen, die auf dem so genannten „Fitnessfelsen“ zur Wahl stehen: von Thai Bo über Step Aerobic und Bodystyle bis hin zu Spinning. Zwischen den allabendlichen Theatervorstellungen und -shows – von der Schwanensee-Darbietung über den Karaoke-Abend bis hin zur Roulette-Nacht. Zwischen den verschiedenen Boutiquen, deren breite Marken-Auswahl während der Seetage zum hemmungslosen Shoppen verleitet.

Zwischen täglichem Top-Movie, das zusätzlich zum deutschen TV-Programm auf den Zimmern 24-Stunden-lang ausgestrahlt wird, und der täglichen Bordzeitung. Zwischen den verschiedenen Bord- Bands, die mit Rock und Pop bis zu Latino-Klängen noch jeden aus seinem gemütlichen Sessel gen Tanzfläche gerissen haben und der Disco, die ab Mitternacht die Charts rauf und runter spielt. Ja, und wer dem Fieber verfällt, für den gibt es auch ausreichend Bingo-Runden.

Reisen mit der „Aida“

Mit dem „Young-&-Fun-Preis“ können bis zu drei 16- bis 27-Jährige die drei Aida-Schiffe jetzt für 666 Euro pro Person in einer Innenkabine bzw. 733 Euro in einer Außenkabine buchen.

Unter dem Motto „Just Aida – jetzt buchen + sparen + überraschen lassen“, bietet Seetours seinen Gästen im Sommer 2003 eine völlig neue Form der Buchung: Wer über 995 Euro zahlt (über 1 795 Euro für zwei Wochen), bekommt für sich und einen Partner eine Innenkabine für eine Woche. Aber: Auf welche Reiseroute es geht, erfährt der Bucher erst 14 Tage vor Ablegen des Schiffes.

Zu den Olympischen Spielen vom 13. bis 29. August 2004 in Athen bietet Dertour seinen Gästen exklusiv die Aida-Aura an.

Infos zu Reisearrangements samt Eintrittskarten gibt’s im Dertour „Live“-Spezialprogramm oder unter der Rufnummer 069/ 95883666.

Infos und Buchung: Tel. 06102/811001, www.aida.de

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