Werbung für deutsche Milch
Andreas Gabalier wehrt sich gegen Bauernbund-Attacke

Weil er für deutsche Milch wirbt, wird der österreichische Sänger Andreas Gabalier vom eigenen Bauernbund angegriffen. Ein Patriot wie er dürfe einem „deutschen Industrieriesen“ nicht helfen. Nun schießt Gabalier zurück.
  • 0

WienLederhose, Quetschkommode, Alpenromantik: Andreas Gabalier ist eigentlich ein richtig „österreichischer Bua“. In einem Werbespot schlürft der Volksmusiker jetzt allerdings deutsche Milch – und das bringt den Bauernbund Österreich zur Raserei. In einem Facebook-Posting bemängelt der Verband öffentlich, dass Gabalier wohl kein echter Patriot sein könne, wenn er „deutsche Konzernprodukte“ aus der Flasche trinke.

Gabaliers Fans halten dagegen: „Andi, so wies dus mochst, passts genau. Jede fertige sau hit schon amol wos ausn auslond trunkn, also sollt sie a jeda um si selba schern!!“, schreibt eine Nutzerin im schönsten Dialekt. Und ein anderer merkt an: „Machts kuan Aufstand, hätte man gscheide Produkte wie unsere Nachbarn, dann würde er vielleicht auch Werbung bei uns machen.“

Der Bauernbund rechtfertigt sich in den Kommentaren: Gerade in der „aktuell katastrophalen Situation“, in der die österreichischen Milchbauern mit 0,30 Cent Verlust pro Liter produzieren, würden „Heimatliebe und Werbung für einen deutschen Industrieriesen“ einfach nicht zusammengehen. „Angesichts von Preisverfall und Marktversagen sind die Bauern besonders sensibel gegenüber Dumping-Methoden von Konzernen wie Müller.“ Wer das Ohr beim Volk habe, der wisse das.

Umso mehr seien viele österreichische Bauern vom Gebaren des Barden enttäuscht. „Gabalier ist ein super Bursch, aber bei diesem Werbevertrag war er leider ganz schlecht beraten“, schreibt der Verband und erntet damit noch mehr Widerspruch: „Wenn‘s ums Geld geht, dann wird die Patriotismus-Karte gespielt. Widerwärtig“, meint eine Kommentatorin. „Nichts als hohle Phrase“, schimpft ein anderer. „Ihr habt verschlafen, und die Deutschen haben ihm ein besseres Angebot gemacht.“

Der gstandene Patriot Andreas Gabalier trinkt also Milch. Aber wenn's ums Geld geht, am liebsten deutsche...

Posted by Bauernbund on Samstag, 15. August 2015

Tatsächlich ist Andreas Gabalier nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland sehr bekannt. Mit seinem Album „Mountain Man“ stand der selbst ernannte „Volks-Rock’n’Roller“ sowohl in den österreichischen als auch in den deutschen Charts auf Platz eins.

Dabei ist der Musiker nicht unumstritten: Gabalier sorgte unter anderem für Diskussionen, weil er die österreichische Bundeshymne ohne die 2012 gesetzlich festgelegte geschlechtergerechte Änderung sang und den „Gender-Wahnsinn“ kritisierte.

Im 20-sekündigen Werbespot von „Müllermilch“ wendet sich Gabalier nun an „Alle Frauen da draußen, deren wahre Schönheit von innen kommt“ und hält unter dem Motto „Wenn’s schee macht!“ eine Plastikflasche mit Buttermilch in die Kamera.

Die Müller-Kampagne läuft in Deutschland seit einigen Monaten, in Österreich aber erst seit Mitte August. Dem Bauerbund sei also nicht „erst jetzt aufgefallen“, dass Gabalier für die deutsche Milch werbe, wie das Handelsblatt geschrieben habe, so eine Sprecherin des Bauernbundes in einer Mail an das Handelsblatt.

Gleichzeitig bekräftigt sie die Vorwürfe gegen den Sänger: Mit dem Video habe sich Gabalier „vom Heimat-Idol zum Industriemilch-Trojaner gemacht.“ Auf der Bühne „die Heimat besingen und bei erster Gelegenheit an einen ausländischen Konzern verkaufen“, das gehe nicht zusammen.

Gabalier hat sich inzwischen in einem offenen Brief zu der Sache geäußert und fordert eine offizielle Entschuldigung vom Bauernbund.

Bauernschlau??? ... Bitte teilen!!! Danke

Posted by Andreas Gabalier on Dienstag, 18. August 2015
Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " Werbung für deutsche Milch: Andreas Gabalier wehrt sich gegen Bauernbund-Attacke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%