Werbung im Handwerk
Die Metzgerin und ihr Bikini-Model

Eine Metzgerin sucht dringend Personal, findet aber keines. Ein Plakat mit einem Bikini-Model soll es richten – und zeigen, wie attraktiv der Job der Fleischereifachverkäuferin ist. Die Fleischbeschau wird zum Aufreger.

Lauffen am NeckarDie junge Frau trägt einen knappen Bikini – und ein Stück Fleisch über der Schulter. Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern hat eine Metzgerin das Wort „Fleischbeschau“ wörtlich genommen: Annette Kopf (43) aus dem schwäbischen Städtchen Lauffen am Neckar.

Die Handwerkerin sorgt für Aufsehen mit einer sexy Stellenausschreibung. Denn neben ihrem Gesuch ist eine knapp bekleidete junge Frau zu sehen. „Wenn Sie diese Voraussetzungen mitbringen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung als Fleischereifachverkäufer/in“ heißt es.

Gemeint sind nicht die optischen Reize, sondern Eigenschaften wie „Freude, Begeisterung, Engagement“, wie auf dem Plakat zu lesen ist. Warum die Metzgerin mit Fleischeslust um Mitarbeiter buhlt? „Wir wollten einfach mal was Knackiges machen“, sagt die 43-Jährige, die damit zeigen will, wie attraktiv der Job sein kann.

Metzgerei sucht mit Bikini-Model nach Personal

Das finden derzeit nämlich nicht alle: „Bestimmt zwei Jahre“ lang suche sie schon nach Leuten, erzählt Kopf. Immer mal wieder fanden sich auch Interessenten – doch die warfen nach einigen Wochen wieder hin oder waren ständig krank, wie die Metzgerin erzählt. „Im Handwerk muss man halt einfach körperlich arbeiten“, räumt Kopf ein. Die meisten schrecke ab, „dass man dabei schmutzig wird“.

Deutlich wird das vor allem beim Nachwuchs. „Hier ist die Zahl der Auszubildenden seit 2010 um mehr als ein Drittel zurückgegangen“, erklärte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit mit Blick auf die deutschlandweite Entwicklung. Bei geringfügig Beschäftigten in der Branche gebe es auch einen Rückgang. Bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigen die Zahlen demnach aber seit Jahren.

Die ausgeschriebene Stelle habe durchaus Vorzüge, betont Metzgerin Kopf. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Man hat jeden Tag andere Kunden und die erzählen einem immer was Neues.“ Vom Schlachten bekämen Fachverkäufer ohnehin nichts mit: Die Metzgerei bekomme das Fleisch geliefert und verarbeite es dann weiter.

„Viele denken noch, Fleischer müssen halbe Schweine durch die Gegend tragen“, sagt Gero Jentzsch. Er ist Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbandes und kann ein Lied von den Nöten der Branche singen. Das Image von damals sei aber überholt: Inzwischen gebe es zum Schlachten technische Hilfsmittel. Die meisten Metzgereien ließen sich ohnehin vom Schlachthof beliefern. „Es gibt generell einen Mangel an Jugendlichen, die eine Ausbildung im Handwerk machen wollen“, sagt er mit Blick auf fehlenden Nachwuchs. „Das Fleischer-Image hat nochmal ein besonderes Geschmäckle.“

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