Werbung mit der Angst
SARS wird zu barer Münze gemacht

Mundschutz, Handschuhe, hitzeempfindliche Kameras: Die mysteriöse Lungenkrankheit beflügelt die Umsätze verschiedenster Unternehmen. Doch das Geschäft mit der Seuche ist nicht immer seriös.

HB/kk NEW YORK. „Das Beste, um sicher von SARS und anderen biologischen Giften zu sein – zu Hause und auf der Reise!“ Damit wirbt das Unternehmen What a Great Product für seine silber-basierten Produkte; von Gesichtsmasken über Aromaspray bis zur Hautcreme. Das Unternehmen mit Sitz in Millersville/Maryland stellte eigens ein Reise-Kit gegen SARS zusammen.

Viele bisher kaum bekannte US-Unternehmen nutzen die Angst vor der neuen mysteriösen Lungenkrankheit SARS als Marketing-Instrument. Die Internet-Seite von Wein Products wirbt für einen Luft-Reiniger, den man um den Hals trägt, als „zusätzlichen Schutz“ gegen SARS. Auf der Internetseite www.cureforsars.net verkauft der angebliche Doktor der Medizin, Leonard Horowitz, ein Wundermittel in zwei Plastikflaschen für 31,10 $.

„Heute haben wir eine Bestellung für 300 000 Gesichtsmasken bekommen“, freut sich David Phillips, Chef und Gründer des Medizingeräteherstellers What a Great Product. Seit dem SARS-Ausbruch wendet er seine Technologie, dehnbare Oberflächen mit Silber zu bearbeiten, auch auf Gesichtsmasken an. „Silber killt Krankheitserreger, die gegen Antibiotika schon immun sind“, erklärt Phillips das Konzept.

Sein 15-Mann-Unternehmen, das auch Infrarot-Thermometer anbietet, setzt normalerweise 5 Mill. $ pro Jahr um. „Aber das werden wir dieses Jahr leicht verdoppeln oder verdreifachen können“, freut sich Phillips. Die Aufträge aus den USA seinen zwar wieder zurückgegangen. Doch die Anfragen aus Asien und Großbritannien ließen nicht nach. Wein Products wiederum hat sein Geschäft nach eigenen Angaben dank des Luft-Reinigers nach dem Ausbruch von SARS verfünffacht.

Die aggressiven Marketing-Kampagnen der SARS-Profiteure haben bereits die US-Gesundheitsbehörde, die Food and Drug Administration (FDA) und die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) auf den Plan gerufen: Sie haben vergangene Woche mehr als 40 Betreiber von Internet-Seiten aufgefordert, die Werbung mit der Angst vor dem Virus zu unterlassen.

Auch www.cureforsars.net war Empfänger eines Briefes der Aufsichtsbehörden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe jedoch zurück und wirft den Behörden vor, generell Naturheil-Methoden unterbinden zu wollen. What a Great Product hat nach eigenen Angaben keine Mahnung erhalten. „Wir werben ja nicht für eine Behandlungsmethode. Unsere Masken schützen vor Ansteckung“, erklärt der Gründer und Chef Phillips. Zudem könnte derzeit keiner sagen, was gegen SARS hilft.

Zu den als seriös geltenden Profiteuren der Krankheit gehört das Biotech- Unternehmen Affymetrix Inc. Das kalifornische Unternehmen hat einen Gen-Chip für SARS entwickelt. Der Chip mit winzigen Gen-Detektoren soll herausfinden, ob bestimmte Stämme des Virus besonders gefährlich sind, und damit Forscher bei der Suche nach Gegenmitteln unterstützen.

Auch die Hersteller hitzesensibler Kameras machen gute Geschäfte. An den Flughäfen müssen keine Krankenschwestern mehr Fiebermessen, die Hitze-Kameras melden automatisch Menschen mit erhöhter Temperatur. In Singapur arbeitet das Verteidigungsministerium mit dem Unternehmen Singapore Technologies Electronics zusammen, das die Geräte baut. Da die Nachfrage weltweit stark gestiegen ist, soll demnächst die kalifornische Solectron Corp. aus Milipas helfen, eine Serien-Produktion zu starten. Andere Anbieter sind Computerized Thermal Imaging aus Portland, Oregon. Und auch die britische Firma Land Instruments aus Dronfield, die auch einen Sitz in den USA in Newtown hat, soll Medienberichten zufolge an ähnlichen Geräten arbeiten. Die Preise reichen von 25 000 $ bis 50 000 $.

Ein Problem gibt es jedoch: Manchmal reicht schon ein Sonnenbrand aus, um das Gerät zu sensibilisieren. Und auch eine Zigarette vor dem Abflug kann den SARS-Alarm auslösen.

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