Westernhagen zur Musikbranche „Eine riesige Gruppe von Prostituierten biedert sich an“

Westernhagen macht seit fünf Jahrzehnten Musik. Weshalb ihn die heutige Musikindustrie an ein Bordell erinnert, warum er seinen eigenen Erfolg nicht mehr ausgehalten hat - und wie die WG mit Udo Lindenberg war.
Westernhagen und Lindenburg sind langjährige Freunde. Quelle: dpa
Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg

Westernhagen und Lindenburg sind langjährige Freunde.

(Foto: dpa)

BerlinMarius Müller-Westernhagen zählt zu den erfolgreichsten deutschen Künstlern - und weiß, dass er mitunter als schwierig gilt. Dabei mache er einfach nur, was er wolle, sagte der 67-Jährige bei seinem „Unplugged“-Konzert, zu dem jetzt das Album erscheint. Zum dpa-Interview kommt Westernhagen gut gelaunt und gibt sich äußerst kommunikativ. Er erklärt, weshalb ihn die heutige Musikindustrie an ein Bordell erinnert, warum er seinen eigenen Erfolg nicht mehr ausgehalten hat - und erzählt von alten WG-Zeiten mit Rainer Langhans oder Udo Lindenberg.

Ihre „Unplugged“-Show wirkt fast wie ein Familientreffen. Sie treten mit Ihrer Lebensgefährtin auf und das erste Mal überhaupt mit Tochter Mimi. Wie hat sich das angefühlt?
Marius-Müller-Westernhagen: Für mich war das relativ normal, weil ich das Private vom Künstlerischen trennen kann. Ich bin mit meiner Tochter oder meiner Lebensgefährtin genauso kritisch wie mit jedem anderen, wenn es um Musik geht. In dem Moment ist es jemand, der versucht, Kunst zu produzieren, und nicht mein Familienmitglied.

Mimi ist bei ihrer Mutter in England aufgewachsen, wo kaum einer ihren Nachnamen kennt. War das ein Vorteil oder ein Nachteil?
Beides. Es war ein Verlust, weil ich sie einfach nicht so oft gesehen habe, wie es für einen Vater nötig wäre. Aber es war ein Gewinn, weil sie das ganze Theater, das um mich herum geschehen ist, nicht mitbekommen hat. Das hat sie normaler aufwachsen lassen.

Als die Beatles ihren Siegeszug auf St. Pauli begannen
Indra
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Im "Indra" auf der Großen Freiheit stehen die Beatles in der Nacht vom 17. zum 18. August 1960 erstmals in Hamburg auf der Bühne. Dort spielten die Beatles zunächst für 30 D-Mark pro Kopf Abend für Abend. Im Jahr 1962 öffnete schließlich der legendäre "Star-Club" auf der Großen Freiheit seine Tore. Dort gaben die Beatles drei Gastspiele - nun für 500 und am Ende sogar 700 D-Mark pro Beatle und Woche.

Zu fünft
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1960 bis 61 waren die Beatles zunächst zu fünft: John Lennon (l.), Paul McCartney (2.v.l.), George Harrison (2.v.r.), Stuart Sutcliffe und Pete Best. Im Frühjahr 1961 stieg Sutcliffe, dessen eigentliche Liebe der Malerei galt, aus. Kurz darauf starb er an einem Hirnleiden. Im Jahr 1962 wurde der Schlagzeuger Pete Best durch Ringo Starr (r.) ersetzt. Das Foto stammt aus dem Jahr 1963.

Erfolg in Hamburg
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Als sie am Silvesterabend 1962 ihr letztes "Star-Club"-Konzert gaben, hatten die Beatles Hamburg längst erobert. Mit der ersten Single in den englischen Hitparaden ("Love Me Do") machten sie sich nun daran, ihren weltweiten Siegeszug anzutreten. Und sie brachen sämtliche Rekorde.

Beatles
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Jede der 28 Singles und 13 Langspielplatten erreicht eine Millionenauflage.

Eine Milliarde Schallplatten
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Bis 1973 verkauft die Band mehr als 90 Millionen Schallplatten, bis heute sind es mehr als eine Milliarde. Allein das im Jahr 2000 veröffentliche Album "1" geht weltweit 29 Millionen Mal über die Ladentheken, die erste Million in nur fünf Wochen.

Erfolge in der Hitparade
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In der ersten Aprilwoche 1964 belegen die Beatles die ersten fünf Plätze der US-Hitparade.

"Yesterday"
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Der meist kopierte Song weltweit ist der Beatles-Titel "Yesterday". Schätzungen gehen von mehr als 3000 Coverversionen aus.

Das Theater nahm in den 1990er Jahren ungeheure Ausmaße an. Sie zogen gigantische Massen in die Stadien. War der plötzliche Abschied von der großen Bühne eine Art Selbstschutz?
Ich habe 1999 aufgehört, weil ich das, was auf mich projiziert wurde, nicht mehr aushalten konnte. Das hatte nichts mehr mit mir zu tun. Da gerätst du in eine Rolle, die du nicht mehr ausfüllen kannst und nicht ausfüllen willst. Ich konnte und wollte das nicht mehr, es hat mich nicht mehr befriedigt, sondern nur noch getrieben. Und: Die Erwartungen an mich waren überzogen. Das war wie in Heiligen Messen. Die Leute haben mir ihre Kinder hochgehalten. Da wurde es mir unheimlich. Da geschehen Dinge in deinem Namen, die du nicht mehr kontrollieren kannst. Das empfand ich als schädlich für meine Arbeit. Der Hype wurde zu riesig.

Welche Verantwortung haben Sie bei Ihrer Arbeit und welche Erwartungen gilt es zu erfüllen? Welche Verantwortung haben Sie bei Ihrer Arbeit und welche Erwartungen gilt es zu erfüllen?
Ich bin nicht dazu da, Erwartungen zu erfüllen. Meine einzige Verantwortung gegenüber dem Publikum ist, bei meiner Arbeit die bestmögliche Qualität zu erreichen. Das hat auch mit Schmerz zu tun. Man muss bis an den Punkt gehen, wo es wehtut. Eine andere Verantwortung habe ich nicht. Ich muss nicht jedem auf Facebook und Twitter sagen, dass ich ihn liebe. Das ist einfach nicht der Fall.

„Die 60er und 70er waren ganz klar Rock´n´Roll“
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