Wetter-Jahr der Extreme
2007 war zu warm und zu stürmisch

Schon der Start ins Jahr 2007 war extrem. Der Orkan "Kyrill" fegte im Januar über Deutschland hinweg und riss elf Menschen in den Tod. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde war "Kyrill" das stärkste Orkantief der vergangenen 20 Jahre in Deutschland. Mehr als fünf Milliarden Euro Schäden mussten die Versicherer verkraften. Gleichzeitig war es der wärmste Januar seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901.

HB HAMBURG. Der milde Start gab meteorologisch die Richtung für die kommenden Monate vor: "2007 war bisher kein normales Jahr. Die Temperatur lag deutlich über dem Mittel", sagte Uwe Kirsche, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Bereits der Winter 2006/2007 hatte nach dem bisher heißesten Herbst alle Wärmerekorde in Deutschland gebrochen. Von Dezember bis einschließlich Februar - im meteorologischen Winter - war es 4,1 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt.

Die Helgoländer und ihre Gäste genossen ein Klima, das so mild war wie in Marseille am Mittelmeer. Doch die höchste Temperatur des vergangenen Winters registrierten die DWD-Meteorologen am 8. Dezember 2006 in Sigmarszell in Bayern - dort wurden 19,0 Grad gemessen. Nicht nur in Deutschland fiel der Winter aus dem Rahmen. Nach Messungen von US-Forschern war der vergangene Winter weltweit der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880.

Zur Freude der Menschen hielt das warme Wetter im Frühling an. Flaneure, Ausflügler und Sportler genossen im Mai bei bis zu 33 Grad in Potsdam oder 32 Grad in Karlsruhe das nahezu mediterrane Ambiente. Und die Meteorologen lieferten die Fakten zum gefühlten Sommer. Der Frühling brachte laut DWD einen Sonnenscheinrekord und eine Höchstmarke bei den durchschnittlichen Temperaturen. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia war es im baden-württembergischen Uhldingen-Mühlhofen mit 777 Stunden am sonnigsten. Die höchste Temperatur wurde im Mai mit 33,5 Grad in Heidelberg gemessen.

Insgesamt war der Frühling der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. "Dieser Frühling spiegelt in etwa das wider, was in ungefähr 50 Jahren die Norm sein könnte", sagte DWD- Klimaexperte Gerhard Müller-Westermeier. Mit den hohen Temperaturen steigt jedoch auch die Unwettergefahr.

Durch den Klimawandel verändere sich die Art der Niederschläge, sagte Manfred Spatzierer, Meteorologe bei Meteomedia. Die Menschen müssten sich auf kurze, aber sehr heftige Regenfälle einstellen. Bei Gewittern können binnen weniger Stunden mehr als 100 Liter Wasser je Quadratmeter fallen. "Regionaler Starkregen ist typisch für den Sommer", sagt Spatzierer.

Eine Entwicklung, die DWD-Sprecher Uwe Kirsche bestätigt. "Immer häufiger können wir beobachten, dass extreme Ereignisse den Trend zeigen, noch stärker aufzutreten." So wurden Anfang Juni bei heftigen Unwettern in Deutschland mindestens 37 Menschen durch Blitzschläge verletzt. Ein Tornado verwüstete im Mai Teile des Eifel-Dorfs Sistig. Im Juli ertrank im bayerischen Poxdorf bei schweren Unwettern eine 82-Jährige in ihrer Kellerwohnung. Bahnstrecken mussten gesperrt werden, Autofahrer wurden von den Wassermassen in ihren Fahrzeugen eingeschlossen. In den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt standen Gemeinden bis zu 1,50 Meter unter Wasser.

Anfang August starben bei heftigen Unwettern in Nordrhein-Westfalen zwei Menschen. Am 11. August stand nach einem heftigen Gewitter der Ostsee-Ferienort Dahme (Schleswig- Holstein) innerhalb weniger Minuten teilweise unter Wasser. Ende September brach in Niedersachsen nach schweren Regenfällen der Damm des Flusses Innerste an mehreren Stellen.

Insgesamt war der Sommer laut Meteomedia zu nass, die Sonne schien zu wenig, es war aber trotzdem zu warm. In Hamburg zum Beispiel fielen mit 422 Litern pro Quadratmeter 87 Prozent mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt. "Als Schulnote würde ich eine drei minus geben", sagte Meteorologe Roland Reiter von Meteomedia. Auch wenn es den Menschen anders vorkam, selbst in Norddeutschland lagen die Temperaturen in diesem Sommer um etwa ein bis 1,5 Grad höher als im Durchschnitt.

Mit dem Herbstbeginn kehrte das Wetter zur Normalität zurück, im November zeigte sich mit heftigen Schneefällen bis ins Flachland sogar schon ein Hauch von Winter. Insgesamt war der Herbst nach Angaben von Spatzierer in weiten Teilen Deutschlands eher etwas kühl. Was aber keinesfalls dem Trend zu einer Erwärmung widerspreche. In der Gesamtsicht stiegen die Durchschnittstemperaturen. So könnte nach Ansicht von DWD-Sprecher Kirsche "dieses Jahr das wärmste seit Einführung flächendeckender Messungen werden".

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