Wetterforscher
„Die Gewitterzellen werden intensiver“

Erst Hitzerekorde, dann Starkregen und Hagel: Ganze Städte und Regionen werden in diesem Sommer von Gewittern hart getroffen. Warum diese Wetterextreme häufiger werden und warum sie für die Deutschen teuer werden können.
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DüsseldorfWegen heftiger Regenfälle ist in Baden-Württemberg ein Teil des Geländes der Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd geräumt worden. Nach Angaben des Innenministeriums vom Donnerstag befürchteten die Behörden am Mittwochabend, dass ein Bach die Flächen überfluten könnte. „Es wurde allerdings lediglich ein Fußweg überspült, zu Schäden kam es hierbei nicht“, hieß es. Erst am Montag hatten schwere Gewitter das Münsterland getroffen. Die Aufräumarbeiten können noch Wochen dauern.

Auch andere Städte wie Düsseldorf oder Essen sind in diesem Jahr bereits von Regen, Blitz und Hagel hart getroffen worden. Im Juli fielen in Deutschland durchschnittlich 128 Liter auf den Quadratmeter. Solche Gewitter, mit solchen Ausmaßen, werden häufiger und intensiver, prophezeit Professor Peter Höppe. Der Leiter der Georisiko-Forschung beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re erforscht Naturkatastrophen und ihre Gesetzmäßigkeiten und macht aus Hurrikans, Erdbeben oder Fluten Geld. Ohne seine Datenbanken wäre der größte Rückversicherer der Welt nicht in der Lage, Policen für Naturkatastrophen zu kalkulieren.

In diesem Sommer, so der subjektive Eindruck, häufen sich schwere Gewitter. Ganze Städte werden überschwemmt und verwüstet. Ist das ein normales Wetterphänomen oder ungewöhnlich?
Dass wir in dieser Jahreszeit Gewitter haben, ist normal. Aber: Dass wir eine derart lang anhaltende Wetterlage haben, aus der sich immer wieder regional begrenzte, aber schwere Gewitter entwickeln, ist sicherlich ungewöhnlich. Häufiger ist eigentlich, dass sich Gewitter in einer Unwetterfront rasch über das Land hinwegbewegen.

Was überrascht Sie?
Das hat ja schon im Juni begonnen, als das Unwettertief Ela in Düsseldorf und Teilen des Ruhrgebiets enorme Schäden verursacht hat. Seitdem haben wir eine Wetterlage, vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands, in der sich örtlich immer wieder neue Gewitter bilden. Wir können eine gewisse Häufung solcher beständiger Wetterlagen beobachten, die zu solchen Ereignissen führen. Es ist schon ungewöhnlich, dass sich nicht auch mal eine längere Hochdruck-Wetterlage einstellt, in der stabileres Wetter vorherrscht.

Haben Sie eine Erklärung dafür?
Ich führe das zurück auf die großräumige Wetterlage, die momentan das westliche Mitteleuropa in einer Übergangszone zwischen Hochs und Tiefs festhält. Diese Wetterlage tritt immer wieder mal auf, mitunter auch im Winter. Die Frage, die in der Wissenschaft intensiv diskutiert wird, ist: Kommt es durch den Klimawandel zu einer Häufung solcher persistenter Wetterlagen? Das ist allerdings nach dem jetzigen Stand der Forschung nicht schlüssig zu beantworten.

Werden die Gewitter intensiver und gefährlicher?
Grundsätzlich ja: Der Wasserdampf-Gehalt in der Atmosphäre hat signifikant zugenommen, dazu gibt es belastbare Daten. Dieses Mehr an Wassergehalt stammt von den Meeresoberflächen, die sich durch den Klimawandel erwärmt haben. Hier gibt es durchaus eine Verbindung: Wenn wir mehr Wasser in der Atmosphäre haben, haben wir auch mehr Energie im Wettersystem.

Kommentare zu " Wetterforscher: „Die Gewitterzellen werden intensiver“"

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  • "Schon der Begriff "Gewitterzelle" macht doch klar, dass es sich hierbei um die Veränderung der Erdoberfläche durch örtliche Auswirkungen von menschlichen Besiedelungen handeln muss"

    Ähm...nein, muss es nicht. Meteorologie bzw. das Wetter an sich ist um einiges komplexer und eben sehr weiträumig bis global zusammenhängend. Wenn durch Verdunstung auf den Meeren mehr Wasserdampf in der Atmosphäre ist und sich diese Luftmassen dann eben zu uns nach Europa bzw. Deutschland bewegen, steigt eben (vereinfacht gesagt) die Gewittergefahr. Es stimmt zwar dass Städte und Ballungsgebiete die Wahrscheinlichkeit eines Gewitters erhöhen, aber das Wetter und das Klima sind nicht regional unabhängig.

  • Die Diskussion über die Intensität der Auswirkung auf unser Klima, die wir durch die Verbrennung fossiler Energieträger verursachen, ist müßig.

    Welche Wahl haben wir denn?

    Das "fossile Zeitalter" ist ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte. Durch immer aufwändigere Fördermethoden können wir dieses Zeitalter vielleicht noch um ein paar Jahrzehnte verlängern. Damit setzen wir uns, bzw. unsere Nachkommen den Folgen des anthropogenen Klimawandels aus.

    Ein Grad Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit war noch preiswert, aber die Folgen sind unübersehbar. Zwei Grad Erderwärmung werden schon teurer werden und es besteht zunehmend die Gefahr, dass Rückkopplungseffekte den Klimawandel weiter vorantreiben, ohne dass wir CO2 erzeugen.

    Warum sollen wir das Risiko eingehen? Die Technik ist heute so weit fortgeschritten, dass eine vollständige Umstellung unserer Energieversorgung auf Erneuerbare Energien nicht nur technisch möglich ist, sondern auf Sicht der nächsten Jahrzehnte auch preiswerter ist.

    Diese Möglichkeit bereitet denjenigen berechtige Sorgen, die gute Geschäfte mit dem Verkauf von fossilen Brennstoffen und dem Betreiben von "Wasserkochern" gemacht haben.

    Dass diese "Verlierer" der weltweiten Energiewende uns nicht davon abhalten, heute die richtigen Entscheidungen hin zu den Erneuerbaren Energien zu treffen, versteht sich von selbst.

  • Wenn laut obigem Beitrag vieles dafür spricht, dass man "natürliche Klimaschwankungen und Klimawandel hier nicht exakt auseinander halten kann und eine direkte Zuordnung nicht geht, aber der menschengemachte Klimawandel hier eine Rolle spielen muss", dann sollten die Wissenschaftler auch klipp und klar sagen, was ein menschengemachter Klimawandel ist bzw. wodurch er verursacht wird.

    Schon der Begriff "Gewitterzelle" macht doch klar, dass es sich hierbei um die Veränderung der Erdoberfläche durch örtliche Auswirkungen von menschlichen Besiedelungen handeln muss. Und nicht durch global verteilten Wasserdampf oder CO2-Emissionen.

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