Wetterkapriolen
Land unter in down under

Nach heftigem Regen sind im Nordosten Australiens zahlreiche Flüsse über die Ufer getreten und haben Straßen und Ortschaften überschwemmt. In einigen Regionen wurden in 24 Stunden bis zu 270 Millimeter Niederschlag gemessen. Die Unwetter beeinträchtigen auch den Abbau von Australiens wichtigstem Exportgut: der Kohle.
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HB BRISBANE/BELFAST. Am Mittwoch evakuierten die australischen Streitkräfte das Dorf Theodore im Staat Queensland und flogen mit Hubschraubern insgesamt 1000 Menschen aus dem überschwemmten Gebiet aus. „Das Wasser wird mit Sicherheit noch weiter steigen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Mareen Clancy. „Die Pegelstände haben einen neuen Rekord erreicht, und wir wissen nicht, was noch passieren wird“. Auch die Ortschaften Emerald und Bundaberg in Queensland bereiteten sich bereits auf eine Evakuierung vor.

Unterdessen kündigte die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh, einen Hilfsfonds in der Höhe von einer Million Australischen Dollar (764 000 Euro) für die Überschwemmungsopfer an. Die australische Ministerpräsidentin Julia Gillard versprach die gleiche Summe aus Bundesmitteln. „Bevor das Wasser zurückgeht, werden wir nicht wissen, wie viel Schaden es angerichtet hat“, sagte Gillard. „Queensland und die Bundesregierung werden die Infrastruktur aber gemeinsam wieder aufbauen.“

Insgesamt wurden im Staat Queensland wegen der Überschwemmungen rund 300 Strecken für den Verkehr gesperrt, darunter zwei der wichtigsten Schnellstraßen nach Brisbane. In der Landwirtschaft habe der Regen bereits Schäden in Höhe von 400 Millionen Australischen Dollar (300 Millionen Euro) angerichtet, sagte Brent Finaly, Präsident der Farmer-Lobby-Gruppe AgForce. Viele Bauern hätten ihre gesamte Ernte verloren. „Diese Ernte hat vor zwei Monaten fantastisch ausgesehen“, sagte Finaly. Erst kürzlich seien viele der Farmer von einer Dürre schwer getroffen worden.

Obwohl der Regen nachließ, stiegen die Pegelstände in den Flüssen von Queensland am Mittwoch weiter an. Die Lage werde in der nächsten Zeit unsicher bleiben, glaubt der Leiter der Katastrophenschutzbehörde von Queensland, Bruce Grady. „Die Pegelstände werden wahrscheinlich für längere Zeit hoch bleiben. In einigen Fällen kann es sich um Wochen handeln“, sagte Grady.

Die Unwetter beeinträchtigen zudem die australische Kohleförderung. Im weltgrößten Kohle-Exporthafen musste der Terminal Dalrymple Bay den Betrieb einstellen, weil nicht mehr ausreichend Kohle angeliefert wurde. Die Regenfälle in Australiens wichtigster Bergbauregion Queensland beeinträchtigten sowohl den Abbau sowie die Verladung des wichtigen Rohstoffs auf die Schienen, teilten Branchenvertreter am Mittwoch mit. Australien ist der weltgrößte Exporteur für Kokskohle zur Stahlerzeugung, die in Deutschland von ThyssenKrupp und Salzgitter dominiert wird.

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  • Und da stöhnen wir unter dem Schnee...die Australier tun mir wirklich leid!

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