Wetterprognose
Orkantief „Emma“ sorgt für erhöhte Alarmbereitschaft

"Das Fußball-Bundesliga-Spiel in Cottbus abgesagt, die Stadtwette von "Wetten, dass... ?" verlegt, die Bahn bundesweit in Alarmbereitschaft versetzt: Das Orkantief "Emma" sorgt wahrscheinlich für ein äußerst stürmisches und regenreiches Wochenende in ganz Deutschland.

dpa HAMBURG. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Freitag in allen Bundesländern vor Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Das Unwetter mit schweren Gewittern und starkem Regen könne zum Entwurzeln von Bäumen, Herabstürzen von Dachziegeln und zu schweren Gebäudeschäden führen. "Der Samstags-Spaziergang im Wald kann nur als lebensgefährliches Abenteuer gewertet werden, von dem unbedingt abzuraten ist", hieß es aus der DWD-Zentrale in Offenbach.

Aus Sorge vor einem zweiten "Kyrill" wurden am Freitag zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. "Der Vergleich zu "Kyrill" liegt durchaus nahe", sagte DWD-Experte Ansgar Engel. Der Orkan hatte im Januar 2007 eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde. 47 Menschen starben, elf davon in Deutschland. Versicherer schätzen die entstandenen Schäden auf 3,5 Mrd. Euro.

Auch auf dem 34 000 Kilometer langen Schienennetz der Deutschen Bahn war der Verkehr vor einem Jahr stark beeinträchtigt und musste zeitweilig sogar eingestellt werden. Diesmal wurden mehrere hundert Beschäftigte in erhöhte Alarmbereitschaft gesetzt, teilte der Konzern am Freitag in Berlin mit. Sie sollen sich bei Bedarf "in kürzester Zeit" um Reisende kümmern oder Sturmschäden beseitigen. Für Fahrgäste wurde am Freitag die kostenlose Service-Telefonnummer 08000 99 66 33 freigeschaltet.

Das für Samstag geplante Bundesligaspiel des FC Energie Cottbus gegen den VfB Stuttgart wurde am Freitag nach einer Platzbesichtigung abgesagt. Nach einer Unwetterwarnung sah die Stadt Cottbus "Gefahr für Leib und Leben" und untersagte als Eigentümer des Stadions den Spielbetrieb, teilte der Verein mit.

Unwetterexperte Thomas Sävert glaubt nicht, dass der Sturm Windstärken wie "Kyrill" erreicht. "Wobei ich nicht ausschließen will, dass lokal, wo zum Beispiel Gewitter durchziehen, es ähnliche Ausmaße annehmen kann", sagte Sävert dem Audiodienst der dpa. "Aber generell ist der "Kyrill" doch noch einen Tick stärker gewesen."

"Emma" zieht nach DWD-Angaben vom Nordatlantik her über die nördliche Nordsee bis nach Südschweden. Dabei gelangen weite Teile Mitteleuropas in seinen Einflussbereich. Die Unwetterwarnung galt zunächst bis Samstagmittag, doch der Wetterdienst Meteomedia sagte voraus, dass das Unwetter am Sonntag noch nicht vorbei ist: "Am Sonntag könnte ein weiterer Tiefausläufer gebietsweise erneut für stürmische Verhältnisse sorgen", sagte Meteorologe Gustav Puhr.

Meteomedia warnte für Samstagabend vor der Gefahr einer Sturmflut an der Nordseeküste. Auf dem Bodensee sollten zwischen Konstanz und Friedrichshafen keine Katamaran-Fähren fahren. In Dresden wurde eine Demonstration von Gegnern der geplanten Waldschlösschenbrücke abgesagt, in Eisenach ein traditioneller Frühlingsumzug um eine Woche verschoben. Wer das Haus nicht unbedingt verlassen müsse, sollte zu Hause bleiben, riet der DWD. Die Polizei forderte die Menschen vielerorts auf, ihre Autos nicht unter Bäumen zu parken. Der Auto Club Europa (ACE) empfahl, das Auto bei Sturm lieber gar nicht zu benutzen.

Thomas Gottschalk erwartet am Samstagabend in Halle an der Saale eine stürmische Ausgabe von Europas erfolgreichster Samstagabendshow "Wetten, dass..?". Wegen der Sturmwarnungen wird die Stadtwette nicht in der Innenstadt, sondern auf dem Messegelände und ohne Zuschauer stattfinden, teilte das ZDF mit.

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