Widersprüchliche Berichte über den Aufenthaltsort der 14 Personen
Verwirrung um Sahara-Geiseln

In das Geisel-Drama um die 14 entführten Europäer kommt Bewegung. Wie malische Zeitungen berichten hält sich die Gruppe entgegen offizieller Angaben im Norden des Landes auf. Deutsche Agenten sollen vor Ort sein.

HB/dpa BAMAKO/SALZBURG. Im Drama um die Sahara-Geiseln gibt es Verwirrung um den Aufenthaltsort der Entführer. Die gewöhnlich gut informierte malische Zeitung „L'Indépendant“ berichtet in ihrer Dienstagausgabe, die Geiseln befänden sich entgegen anderer Angaben doch in der ausgedehnten Bergregion Adrar des Iforas nahe dem Ort Kidal. Die im Norden Malis gelegene Stadt war in früheren Zeitungsberichten kurz aufgetaucht, wurde aber durch den mehrere hundert Kilometer weiter südlich gelegenen Ort Taoudenni ersetzt. Die Zeitung zitiert eine den Vermittlern nahe stehende Kontaktperson mit den Worten: „Der Presse zu erklären, dass sie in Taoudenni sind, ist geeignet, Spuren zu verwischen.“ Auch die Zeitung „Info Matin“ bestätigt, dass sich die Geiselnehmer in der Bergregion versteckt halten sollen.

Das Vermittlerteam um den Tuareg-Stammesführer Iyad Ag Agaly, das gerade erneut mit den Entführern verhandele, steht nach Angaben des Blattes nun unter der Leitung eines früheren Geheimdienstchefs. Malis Präsident Amadou Toumani Touré habe selbst die Anordnung dazu gegeben, um aufbrechende Rivalitäten im Vermittlerteam zu stoppen. Der neu ernannte Delegationsleiter soll sich am Montag von der Stadt Gao aus auf den Weg zu den Entführern in den Norden des westafrikanischen Landes gemacht haben. Dort befinden sich die 14 europäischen Geiseln und ihre radikal-islamischen Entführer im unwegsamen Grenzgebiet zu Algerien.

Nach offiziell unbestätigten Berichten der malischen Presse sind 10 deutsche und 2 Schweizer Geheimagenten sowie Angehörige einer militärischen Sondereinheit Malis in der Region, um die Lage zu sondieren.

Eine der ehemaligen Sahara-Geiseln appellierte dringend, das geforderte Lösegeld für die 14 noch festgehaltenen europäischen Geiseln zu zahlen. Die Entführer würden kein zweites Mal das Leben von Touristen schonen und sich „rigoros verteidigen“, falls es zu einem militärischen Befreiungsschlag kommt, sagte der Salzburger Geschäftsmann Ingo Bleckmann der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Er war bis Mai selbst in Algerien festgehalten worden. „Die Zeit drängt, die Lebensgefahr der Geiseln steigt mit jedem weiteren Tag in der Gefangenschaft“, sagte der 60-Jährige.

Das Geiseldrama hatte Anfang des Jahres im algerischen Teil der Sahara begonnen. 17 der zunächst 32 verschleppten europäischen Touristen waren bereits im Mai in Algerien befreit worden. Eine Geisel - die Augsburgerin Michaela Spitzer - starb Ende Juni an einem Hitzschlag in der Wüste. Bei den restlichen 14 Europäern, die sich noch in der Gewalt der Geiselnehmer befinden, handelt es sich um 9 Deutsche, 4 Schweizer und 1 Niederländer.

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