Wie Bambus bei Erdbeben?
Höchster Wolkenkratzer der Welt in Taipeh eingeweiht

In der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh ist das höchste Gebäude der Welt am Freitag eingeweiht worden. Taiwans Präsident Chen Schui-bian sprach bei der Eröffnung 508 Meter hohen Finanzzentrums „Taipeh 101“ von einem „Symbol für Taiwans Fortschritt und Wohlstand“.

HB TAIPEH. Die Feiern wurden überschattet von der Erdbebenkatastrophe in Asien. Nie zuvor ist ein derart hoher Wolkenkratzer in einem Gebiet gebaut worden, das wie Taiwan so häufig von Erdbeben und Taifunen heimgesucht wird. Mehr als 60 Prozent aller Erdbeben weltweit passieren in dieser Pazifikregion.

In dem 1,8 Milliarden US-Dollar teuren Wolkenkratzer soll ein 660 Tonnen schweres Pendel, das an armdicken Stahlseilen zwischen dem 87. und 91. Stock aufgehängt ist, starke Schwankungen dämpfen. Wie Bambus im Wind soll „Taipeh 101“ mit dem größten Schwingungsdämpfer der Welt Naturgewalten trotzen und dabei mehr als einen Meter schwanken können. Die Insel, deren Erde rund 200 Mal im Jahr bebt, liegt an der Nahtstelle der eurasischen und philippinischen Kontinentalplatte. 1999 kamen bei einem schweren Erdbeben in Taiwan 2400 Menschen ums Leben.

Die spezielle Fassade aus Glas, Stahl und Aluminium stammt vom bayerischen Fassadenbauer Josef Gartner. In Gundelfingen wurden die 1,50 mal 4,10 Meter großen Elemente auf Erdbebensicherheit geprüft. Ein 2200 PS starker Flugzeugmotor testete unter anderem die Luftdichte. Die Fassade soll eine Kraft bis zu einer Tonne pro Quadratmeter aushalten können, das Gewicht eines Kleinwagens. 120 000 Quadratmeter - die Fläche von 20 Fußballfeldern - lieferte das Unternehmen, das mit 850 Mitarbeitern zu den weltweit führenden Fassadenbauern zählt.

Der Büroturm ist erst zu 40 Prozent vermietet. „Wir sind sehr zufrieden damit“, sagte dennoch „Taipeh 101“-Präsident Lin Hun-ming. „Wir glauben, bald alles vermieten zu können.“ Kritik an zu hohen Mieten ließ er wegen der Lage und Qualität nicht gelten. „Taipeh 101“ bricht gleich mehrere Rekorde: höchstes Gebäude, höchste Dachoberkante, schnellste Aufzüge und höchstes bewohntes Stockwerk, doch reicht die Antenne des Sears Towers in Chicago mit 527 Meter noch höher. Eine Million Besucher jährlich werden auf der Aussichtsplattform erwartet, auch wenn Taipeh oft im Dunst liegt.

Erinnerung an Pagodenform

Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 wurde das Design überarbeitet, um dem Einschlag eines Flugzeuges besser standhalten zu können. Das Gebäude speichert auch große Mengen Löschwasser. Die vom Taiwanesen C.Y. Lee entworfene Architektur erinnert an Bambus und traditionelle Pagodenformen. Acht Fassadenabschnitte mit je acht Etagen verheißen Glück. Einen vierten Stock gibt es wie vielerorts in Asien nicht, da die Zahl im Chinesischen an Tod erinnert. Der Astrologe Yu Hsueh-hung fürchtet aber, dass der Turm zu hoch ist und in der Nachbarschaft schlechte Geschäfte und negative geomantische Einflüsse (Fengshui) bringt.

Während einige baulichen Größenwahn kritisieren, hoffen andere, dass die kleine, leistungsfähige Wirtschaftsnation im Schatten Chinas mit dem höchsten Gebäude der Welt nicht mehr so leicht übersehen wird. Den Titel des höchsten Gebäudes der Welt erbte „Taipeh 101“ von den Petronas-Zwillingstürmen (452 Meter) in Kuala Lumpur. Doch schon 2007 sollen in Schanghai der „Jinmao Tower“ sowie in Hongkong das internationale Finanzzentrum noch höher in den Himmel ragen. Ein Jahr später, 2008, strebt dann der Burj Tower in Dubai mit 160 Stockwerken und voraussichtlich 700 bis 800 Metern in die Wolken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%