Wie der Terror Menschen geprägt hat
Die schwere Last des 11. September

Der Schock der Anschläge vom 11. September hat viele Amerikaner getroffen, doch er setzte auch andere Kräfte frei. Fünf Jahre nach dem Anschlag berichten Betroffene, wie sich ihr Leben veränderte und wie die Regierung die Furcht vieler Amerikaner instrumentalisiert hat.

NEW YORK. Louis Minervino ist einer der Ersten, die an jenem Tag ums Leben kommen: Der Familienvater aus Middletown arbeitet im 98. Stock des World Trade Centers. Als um 8.43 Uhr das erste Flugzeug in seine Etage rast, ist er sofort tot. "Ich habe nur noch geschrieen, als ich die Bilder gesehen habe", erinnert sich die Witwe Babara Minervino. Sie sah die Anschläge im Fernsehen, Minuten vorher hatte sie noch mit ihrem Mann telefoniert. Er war einer von 2 748 Terroropfern, die an jenem Tag im World Trade Center ums Leben kamen.

Wie Herbstlaub wehen Papierblätter durch die Wall Street, sie sind das Erste, was Lars Halter durch sein Bürofenster von dem Anschlag auf den Nordturm sieht. Der Börsenberichterstatter des Journalistenbüros "Wall Street Correspondence" geht von einem Unfall aus, er ruft zunächst die Redaktionen in Deutschland an, darunter auch das Handelsblatt. Dann greift er zum Schreibblock, um neben dem World Trade Center Augenzeugen zu befragen.

Auf den Weg nach unten bleibt sein Fahrstuhl für einige Sekunden stehen, just als das zweite Flugzeug im Südturm einschlägt - der Aufprall hatte den Strom für einige Sekunden unterbrochen. "Als ich wieder ausstieg war klar, dass es ein Anschlag seien musste," sagt er, "es war der schlimmste Tag in meinem Leben."

Flucht ins Luxushotel

Als der erste Turm einstürzt und sich eine riesige Staubwolke durch die Wall Street schiebt, hat der Hoteldirektor Christopher Knable seine Gäste und Angestellten bereits ins Erdgeschoss geholt - aus Angst vor weiteren Anschlägen. Von der Straße kommen Menschen in die Lobby des Hotels Regent gerannt, grauer Staub quillt durch die Türen und strömt in die große Eingangshalle.

Auch heute noch ringt Knable nach Worten, um seine Eindrücke zu beschreiben. "Schrecklich, schockierend, wirklich unfassbar", sagt er, "als sei es gestern gewesen." Er habe gesehen, wie Menschen, getrieben von Panik, aus dem World Trade Center stürzten; auch habe er selber Bekannte gehabt, die dort gearbeitet haben. "Manchmal denke ich: ,Vielleicht ist das alles nie geschehen.?" Zwei Hotels am World Trade Center werden an diesem Tag zerstört, ein weiteres stellt den Betrieb ein. Als die Helfer mit den Bergungsarbeiten anfangen, ist das Regent erste Anlaufstelle: Zu seinem Hotel sei "jeder gekommen, der nicht genau wusste wohin."

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