Wie die Briten die Kreditkrise meistern
Bierwährung und Aldi

Wer tauscht Kartoffeln gegen Bier, steht auf tiefgekühlte Erbsen und hat Aldi für sich entdeckt? Die Briten in der Kreditkrise. Seit Nahrungsmittel immer teurer werden, Hauspreise fallen, Banken straucheln und das Wort Rezession in aller Munde ist, hat sich das Konsumverhalten in Großbritannien erheblich verändert.

dpa LONDON. Mit kuriosen Ideen und einer neu entdeckten Liebe für deutsche Discounter versuchen die Menschen die Folgen der Wirtschaftskrise zu lindern. Für viele Geschäfte scheint der so genannte "Credit Crunch" das beste Marketinginstrument geworden zu sein.

So zum Beispiel für den Pub "The Pigs" im ostenglischen Edgefield: Dort können Geldsparer ein Kilo Kartoffeln, ein Dutzend Eier oder auch drei Makrelen für ein Pint Bier eintauschen. "Jetzt - nachdem die Kreditkrise zugeschlagen hat - boomt das ganze", erklärte Managerin Cloe Wasey das System der "Bierwährung". Wer statt auf Bier auf das Menü eines Sterne-Kochs steht, kann in London in den Laden des Küchenchefs Thierry Laborde gehen, das Essen mit Profihilfe zubereiten und es - statt für viel Geld in einem Restaurant - zu Hause verspeisen.

Seit vor einem Jahr die US-Immobilienkrise die Finanzwelt erschütterte, sind im ehemals blühenden Vereinten Königreich die Aussichten besonders düster. Vergangene Woche meldete der Einzelhandel die schlechteste Zahlen seit 25 Jahren und die größte Bausparkasse Nationwide verkündete am gleichen Tag, dass die Hauspreise pro Tag um 150 Pfund (rund 190 Euro) fallen. Wenig Trost spendete auch die Mitteilung des Statistikamts, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal 2008 erstmals seit 16 Jahren nicht mehr gewachsen ist. Eine Rezession, das sind zwei Quartale hintereinander, in denen die Wirtschaft schrumpft, schloss die Englische Notenbank nicht aus. Gleichzeitig steigt die Inflation - eine toxische Mischung.

Beim Blick in die Zeitungen muss es jedem Briten den Tag vergraulen. So macht er sich immer häufiger auf zu Aldi, Lidl und Netto, statt in teuren Supermärkten zu shoppen. Während die Discounter früher fast einzig Sammelbecken für Exil-Deutsche auf der Suche nach Rollmöpsen oder die britische Unterschicht waren, verzeichnen die Läden nun immensen Zulauf.

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