Wie die New Yorker leiden
Finanzkrise: Jetzt trifft es die kleinen Leute

Werden Banker entlassen, klagen in den Finanzzentren dieser Welt die Immobilienmakler, Galeristen und Schönheitschirurgen, weil sie Kunden verlieren. Diesmal trifft es nicht nur die Luxusindustrie: Amerikas Unterschicht spürt die Folgen der Finanzkrise am eigenen Leibe.

NEW YORK. There’s no business, like ’shoe’ business“, das ist, oder vielmehr das war das Erfolgsmotto von Wilson Silver. Lange Jahre gehörte der 52-Jährige zu den Profiteuren des Booms an den Finanzmärkten, jetzt zählt er zu den Opfern, denen das Beben an den Finanzmärkten die Existenzgrundlage unter den Füßen wegzureißen droht. Silver gehört ein kleiner Schuhreparaturbetrieb auf der John Street im Schatten der großen Bankentürme mitten im Finanzviertel von Manhattan. Früher profitierte Silver von der Großzügigkeit der Banker, heute sind aber „viele sogar zu geizig, um ihre Schuhe reparieren zu lassen“. Um mehr als ein Drittel sei sein Geschäft eingebrochen, klagt der Schuster. Zur neuen Bescheidenheit der Geldelite meint er: „Die haben alle Angst, dass sie morgen keinen Job mehr haben.“

Längst ist klar, dass die Finanzkrise nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen treffen wird. Nach jeder großen Entlassungswelle, die alle fünf bis zehn Jahre durch die Reihen von Bankern, Anwälten, und Beratern in den Finanzzentren dieser Welt fegt, klagen in den großen Finanzzentren Immobilienmakler, Luxusgeschäfte, Schönheitschirurgen, Galeristen und teure Restaurants über den neuen Geiz ihrer einst großzügigen Klientel. Doch dieses Mal geht es um mehr, um viel mehr als 1987 nach dem schwarzen Montag, oder 2001 nach dem Platzen der Internetblase.

Dieses Mal wird jeder einzelne Bürger von den Ausläufern der Finanzkrise erfasst. Direkt wie der Schuster Wilson Silver, wie der Delikatessenladen an der Ecke oder der Schuhputzer im Grand Central Bahnhof, oder indirekt über die befürchtete Rezession in den westlichen Industriestaaten. Auch das Kollektiv der Steuerzahler reiht sich in die lange Schlange der Opfer ein. Zum einen müssen die Regierungen Hunderte von Milliarden zur Stützung der angeschlagenen Banken ausgeben, zum anderen werden die Institute für lange Zeit keine Steuern mehr zahlen. Auf Städte Zürich, Frankfurt, London und New York kommen harte Zeiten zu.

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