Wie Menschen in den USA mit der Flut fertigwerden
„Gott hat uns verschont“

Mit einer Mischung aus Erleichterung und Wut reagieren die Evakuierten in den USA auf ihre Rettung. Das Handelsblatt zeigt Einzelschicksale aus dem Katastrophengebiet.

HOUSTON. Der Horror der vergangenen Woche zeigt sich in Lisa Dunns Gesicht: Ihre Haut ist fleckig und aufgedunsen vom giftigen Wasser. Es reichte ihr in ihrem kleinen Haus in New Orleans tagelang bis zum Kinn. Ihr gesamter Besitz ist verloren, von ihrem ältesten Sohn hat sie seit dem Hurrikan nichts mehr gehört. Als das Wasser bis in den Dachboden stieg, musste sie zusehen, wie ihr kleiner Hund ertrank.

Trotzdem ist die 36-Jährige dankbar, es bis hier in eine texanische Notunterkunft geschafft zu haben. Zusammen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Lebensgefährten wurde sie nach tagelangem Warten aus den Fluten gezogen, als sie schon jede Hoffnung aufgegeben hatten. Zum ersten Mal seit mehr als einer Woche konnte die Familie wieder genug essen, duschen, ein paar Stunden schlafen. „Gott hat uns verschont“, sagt Dunns Freund Louie Bailey und lächelt vorsichtig durch den zotteligen grauen Bart. Seine Augen flackern müde unter der blauen Schirmmütze, die ihm die Helfer aus einem Stapel gespendeter Kleidung gereicht haben.

Etwa eine viertel Million Menschen waren bis Montag aus Louisiana und Mississippi nach Texas geflohen, schätzt der texanische Gouverneur Rick Perry – und damit sei das Limit nahezu erreicht. Er bat bereits andere Staaten um Mithilfe.

Schon jetzt ist Flüchtling nicht gleich Flüchtling. Familien wie die Dunns hat es am härtesten getroffen – je länger die Überlebenden den Todeskampf in der Metropole miterleben mussten, desto größer ist der Horror, von dem sie berichten. Andere haben alles verloren, sind aber rechtzeitig genug weggekommen, um die Flucht zumindest körperlich unversehrt zu überstehen.

Seite 1:

„Gott hat uns verschont“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%