Wie schlecht geht es ihm wirklich?
Papst sagt aus Gesundheitsgründen wöchentliche Audienz ab

Papst Johannes Paul II. hat seine für Mittwochmorgen geplante wöchentliche Audienz aus Gesundheitsgründen kurzfristig abgesagt. Aus Vatikan-Kreisen verlautete, der Papst leide an Darmproblemen. Diese seien nicht schwer, allerdings hätten die Ärzte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zur Ruhe geraten. Der Papst hat während seines fast 25-jährigen Pontifikats nur wenige Male eine Audienz kurzfristig abgesagt

HB ROM. Papst Johannes Paul II. hat am Mittwoch seine Generalaudienz in Rom überraschend wegen Krankheit abgesagt. Offiziell spricht der Vatikan von „Darmproblemen“. Zugleich zeigte das italienische Fernsehen Aufnahmen des sichtlich mitgenommenen 83- Jährigen. Der an der Parkinson Krankheit leidende Kirchenführer saß dabei auf einem Sessel und grüßte mit brüchiger Stimme die Gläubigen der Audienz. Er sprach lediglich einige wenige Sätze, aus seinem Mund lief Speichel. Er wirkte hinfällig.

Nach Angaben des staatlichen RAI-Senders wurde das Video am Mittwoch in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom aufgenommen. Die rund 7000 Menschen in der Audienzhalle des Vatikans konnten über Lautsprecher lediglich die Papststimme hören. „Es tut mir leid, dass ich nicht bei Euch sein kann“, sagte der Papst. „Ihr seid alle in meinem Herzen und ich segne Euch.“

Einzelheiten über den verschlechterten Gesundheitszustand gab der Vatikan nicht bekannt. Erst wenige Stunden vor der Audienz meldete sich Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls zu Wort, mit einem einzigen Satz: „Der Heilige Vater hält wegen Darmproblemen, die er sich Dienstagnachmittag zugezogen hat, auf Rat seines Leibarztes heute keine Generalaudienz.“ Kein weiteres Wort der Erklärung. Ist die traditionelle Geheimniskrämerei im Kirchenstaat zurückgekehrt? Gläubige auf der ganzen Welt fragen sich: Wie schlecht geht es dem Papst wirklich?

Trauerspiel statt Jubelfeier?

Die Unsicherheit ist groß, jeder weiß, dass der Papst schwer krank ist, aber mit seiner Informationspolitik verstärkt der Vatikan die Unsicherheit zusätzlich. Unklar ist, welche Termine der Papst in den nächsten Tagen einhalten kann und welche nicht. Vor allem: was soll aus den Feiern zum 25-jährigen Pontifikat Mitte Oktober werden? Statt Jubelfeiern ein Trauerspiel?

Zwar ist es nicht das erste Mal, dass Karol Wojtyla eine Verpflichtung absagt, aber es ist extrem selten, dass er dies tut. „Gerade der direkte Kontakt mit den Menschen ist bisher stets die große Stärke dieses Papstes gewesen“, meint ein Vatikaninsider. Bislang habe er auch dann zu den Gläubigen gesprochen, „wenn es ihm verdammt schlecht ging“. Viele fragen sich: Wie geht es jetzt weiter?

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„Päpste sind nicht krank, Päpste sterben“, heißt ein römisches Bonmot. Im Klartext: Über die Gesundheit des Kirchenführers wird zu Lebzeiten nicht gesprochen, bekannt gegeben wird erst der Tod. Es scheint, als kehre der Kirchenstaat zu dieser alten Praxis zurück. Offiziell bestätigt der Vatikan nicht einmal, dass Johannes Paul II. an Parkinson leidet.

Folgen der Parkinson Krankheit

Da wundert es nicht, dass die Stimmen im Vatikan, wonach „kein Anlass zur Sorge besteht“, kaum jemanden beruhigen. Das gilt umso mehr nach seinem Auftritt bei der Slowakeireise vor zwei Woche, als der Papst selbst kurze Reden und Predigten nicht selbst vortragen konnte. Zeitweise schien der Greis in Bratislava geistig abwesend.

„Es gibt keinen Mechanismus um einen Papst zu ersetzen, wenn er chronisch verwirrt, senil oder wie im Koma ist“, schrieb schon vor längerer Zeit ein amerikanischer Vatikanexperte. Jeder weiß, dass die Parkinson Krankheit unaufhaltsam voranschreitet. „Wenn der Papst keine Messen mehr halten kann, tritt er zurück“, hieß früher eine Formel von Vatikankennern. Doch seit längerem ist die Sprache des alte Polen schon kaum mehr zu verstehen, auch das Folge der Parkinson Krankheit. Doch bisher hat der Papst alles Gerede über einen nach dem Kirchenrecht möglichen Rücktritt ärgerlich vom Tisch gewischt.

Zufall? Gerade an diesem Mittwoch, als der Papst nicht zur Audienz kam, veröffentlichte die „Berliner Zeitung“ ein Interview mit Kardinal Oscar Rodriguez aus Honduras, der selbst schon über einen Papst-Rücktritt laut nachdachte. Darin plädiert er ganz offen für einen Papst aus der Dritten Welt. „Auf jeden Fall könnte ein Papst aus dem Süden ein Werkzeug der Vorsehung sein, den Nord-Süd-Konflikt wenn nicht gleich zu lösen, so doch zu lindern. Aber das liegt in der Hand des Heiligen Geistes.“ Der Kardinal aus Honduras gilt selber als „papabile“ - als einer, der das Zeug zum nächsten Papst hat.

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