Wie Wirtschaft und Bevölkerung unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren leiden
Blackout in Spanien

Sie wollten grillen, ein bisschen Spaß haben. Dann war da jedoch diese unerträgliche Hitze, 40 Grad im Schatten. Die fünf Jugendlichen aus Guadalajara springen in den Tajo, einen der bedeutendsten Flüsse Spaniens. Sie vergessen, das Feuer des Grills zu löschen. Starke Winde tragen die Funken in die ausgetrockneten Wälder. In Windeseile steht alles in Flammen, Löschflugzeuge, Feuerwehr und Spezialeinheiten kämpfen rund um die Uhr gegen den Brand. Elf Helfer sterben, und auch gestern, zwei Tage später, zündelt es im Alto Tajo noch.

HB MADRID. Jahr für Jahr sterben in Spanien Menschen und ganze Landstriche in den Flammen. In diesem Jahr, der verheerendsten Dürre seit 60 Jahren, ist die Situation besonders schlimm. Überall im Land brennt es, es fehlt an Wasser für die Feuerwehren, aber auch zur Energieerzeugung. Da wird Unternehmen einfach der Strom abgestellt, die Produktion fällt aus. Und die Bauern fürchten um ihre Ernten. Einerseits. Andererseits aber halten die Spanier wenig vom Energiesparen. Das liegt an den niedrigen Wasser- und Strompreisen. Und so ist eine höchst gefährliche Situation entstanden, die das Land nicht nur teilweise lähmt, sondern immer wieder auch Menschenleben kostet.

In diesem Jahr fing der Sommer schon im April an, seitdem hat es kaum geregnet.Seit Wochen hat die Regierung in Madrid deshalb unzählige Radiospots geschaltet: „Wasser ist ein wertvolles Gut, es ist für alle da. Gehe sorgsam damit um!“ lautet die Botschaft.

Allein, es hört kaum jemand hin. Wer die Autobahn gen Süden fährt, sieht rund um Alicante, Marbella und Almería eine riesige Badelandschaft neben der nächsten. Dazu zieren sattgrüne Golfanlagen die Gegend, und die Gärten vieler Hotels stehen in voller Blüte. Und das alles vor dem Hintergrund, dass viele Bezirksregierungen bereits einen stark eingeschränkten Wasserverbrauch angemahnt haben.

Aber warum sollte sich die Bevölkerung darum kümmern? Die spanischen Wasserpreise sind mit 0,62 Cent je Kubikmeter die niedrigsten im westlichen Europa. In Deutschland, wo es viel mehr regnet und der Verbrauch pro Kopf wesentlich geringer ist, wird fast das Dreifache verlangt. Seit Jahren versucht das spanische Wirtschaftsministerium, die Tarife anzuheben, um den Verbrauch zu reduzieren. Bauern und Hoteliers haben sich bisher dagegen erfolgreich gewehrt.

Auch die spanischen Strompreise gehören zu den niedrigsten auf dem Kontinent. Experten rechnen indes damit, dass die Preise in den kommenden Jahren stark ansteigen werden, sollte die Dürre anhalten. Denn wenn kein Wasser da ist, dann wird in Spanien auch der Strom knapp. Rund ein Fünftel des Elektrizitätsbedarfs wird durch Wasserkraftwerke gedeckt. Derzeit aber können die Anlagen wegen des geringen Wasserstands in den Stauseen nur 60 Prozent ihrer Gesamtkapazität leisten – all das bei einer stetig steigenden Nachfrage.

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