Wieder mysteriöse Schüsse
Angst vor neuem „Sniper“ wächst in den USA

Der mysteriöse Heckenschütze von West Virginia, dem bereits drei Menschen zum Opfer fielen, hat möglicherweise erneut zugeschlagen.

dpa WASHINGTON. Die Polizei in dem östlichen US- Bundesstaat untersuchte am Donnerstag einen Zwischenfall am frühen Morgen nahe der Stadt Charleston, bei dem eine 16-Jährige vor einem Laden nur knapp von zwei Kugeln verfehlt wurde. Die Parallelen zu den drei vorausgegangenen „Sniper“-Attacken ebenfalls im Raum Charleston sind nach Polizeiangaben „auffallend“. Entsprechend wächst die Furcht vor dem neuen unheimlichen Todesschützen, der nur knapp ein Jahr nach den Bluttaten der Heckenschützen von Washington sein Unwesen treibt.

Was in Polizei-Augen besonders für ein weiteres Verbrechen des neuen „Sniper“ spricht: Vom Tatort raste ein dunkelfarbiger Pickup- Truck davon, den andere Augenzeugen schon an einem der früheren Schauplätze der Attacken aus dem Hinterhalt gesehen hatten. Dieses Mal nahm ein per Notruf verständigter Polizeiwagen die Spur auf und verfolgte den Kleinlastwagen. In der rauen Berglandschaft des „wilden und wunderbaren West Virginia“, wie sich der Staat stolz nennt, konnte der Fahrer dann aber entkommen. Der Mann soll weiß und groß sein, und auch das deckt sich mit Zeugenangaben aus der vergangenen Woche.

Am vorletzten Sonntag hatte die Serie der Todesschüsse begonnen. Zunächst war ein 44-jähriger Mann vor einem Laden tödlich getroffen worden. Am Donnerstag fielen dann eine 31-Jährige und ein 26- Jähriger binnen 90 Minuten dem Schützen zum Opfer. Auch sie starben vor Mini-Supermärkten mit Tankstellen, die die ganze Nacht über geöffnet haben, und sie waren alle bei völlig alltäglichen harmlosen Aktivitäten: Das eine Opfer wollte einkaufen, das andere telefonierte von einer Zelle vor dem Laden aus, das dritte hatte gerade sein Fahrzeug betankt.

Da wurden sofort Erinnerungen an die „Sniper“ von Washington wach, die im Frühherbst vergangenen Jahres die Bevölkerung in der Region der Bundeshauptstadt Wochen lang in Angst und Schrecken versetzt hatten. Insgesamt 13 Menschen starben durch die Anschläge des damals erst 17-jährigen John Lee Malvo und seinem als „Vaterfigur“ angehimmelten 42-jährigen Komplizen John Allen Muhammad. Jetzt sitzen beide im Gefängnis, um auf Prozesse zu warten, die wahrscheinlich mit der Todesstrafe enden werden.

In West Virginia ist die Polizei anscheinend noch weit von einer Festnahme entfernt, auch wenn sie sich am Mittwoch noch sehr optimistisch geäußert hatte. Es gebe „solide“ Hinweise, hieß es, und mehrere mögliche Verdächtige. Ein neues Bild vom möglichen Tatfahrzeug wurde verbreitet - eben von einem dunkelfarbigen Pickup- Truck. Aber die gibt es gerade im ländlichen West Virginia wie Sand am Meer - ebenso „groß gewachsene Weiße“.

Ballistische Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass die Anschläge Nummer Zwei und Drei in der vergangenen Woche mit derselben .22-kalibrigen Waffe verübt wurden. Im ersten Fall lagen am Donnerstag noch keine schlüssigen Untersuchungsergebnisse vor. Zwischenzeitlich hatte die Polizei vermutet, dass die Opfer entgegen erster Annahme nicht willkürlich ausgewählt wurden, sondern dass es eine Verbindung gibt: nämlich zur Drogenszene. Stellt sich heraus, dass die Schüsse vom Donnerstagmorgen tatsächlich wieder auf das Konto des Täters der vergangenen Woche gehen, wäre die Drogen- Theorie wohl wahrscheinlich vom Tisch - es sei denn, ein mörderischer Dealer schießt zur Ablenkung vom wahren Motiv auch auf 16-Jährige.

Fragen über Fragen also - und derweil tun viele Menschen im Raum Charleston genau das, was vor einem Jahr die Menschen in der Washingtoner Region taten. Sie schauen vor allem bei nächtlichen Aktivitäten angstvoll über die Schulter. Harmlose Alltagsgeschäfte hören auf alltäglich zu sein.

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