Wiedervereinigung und WM-Titel - ein Rausch
Wir Weltmeister

Die Stimmung in Deutschland ist ganz unten. Dabei sind wir längst wieder ganz oben.

Wenn in wenigen Tagen der Confederations Cup beginnt, die kleine Weltmeisterschaft im Fußball, dann sitzen Millionen von Männern (und Frauen) auf dem Sofa und feuern die deutsche Mannschaft an. Sie soll unbedingt dieses Turnier gewinnen und im nächsten Jahr dann Weltmeister werden.

Dabei ist Deutschland doch schon Weltmeister! Im Frauenfußball. Und wir haben den allerschnellsten Mann der Welt, Michael Schumacher. Die unbesiegte Boxerin Regina Halmich. Wir haben Schwimmer wie Thomas Rupprath oder Antje Buschschulte. Wir haben, ja mei, die Biathletin Uschi Disl. Wir haben die Ski-, die Fecht-, die Rodel- sowie die Hockey-Mannschaften, letztere sogar im Doppelpack Männer wie Frauen.

Mal abgesehen von solch abenteuerlichen Rekorden wie denen im Rückwärtslaufen und im Rasenmähen. Oder im Pferdeballett: Im vergangenen Jahr haben wir den Österreichern nämlich den Rang abgetrabt – eine 72er-Haflinger-Quadrille schaffte es ins Guiness-Buch der Rekorde.

Und das ist längst nicht alles: Wir sind Weltmeister im Röntgen. Die Käseweltmeister kommen auch nicht etwa aus Frankreich, sondern aus Deutschland. Den schönsten Hund haben wir ohnehin: Der Schäferhund ist seit eh und je ein Exportschlager.

Und: Wir sind Weltmeister im Reisen wie im Reparieren der Luftflotte: Die Lufthansa Werft in Hamburg ist der weltgrößte Betrieb für die Wartung und Reparatur von Flugzeugen.

Die Wirtschaft legt ohnehin einiges vor: all die nicht börsennotierten Mittelständler aus dem Schwäbischen und anderswo, die in ihrer Nische die Weltmärkte beherrschen. Deshalb sind wir Weltmeister bei den Exporten. Trotz der neuen Konkurrenz durch Asiaten und Osteuropäer erhöhten wir unseren Weltmarktanteil. Trotz des gestiegenen Euro-Kurses. Und jetzt reicht unser Einfluss bis ins Religiöse: Wir sind Papst. Also Weltmeister der Katholiken.

Aber die Disziplin, die alle anderen überragt, ist das Schwarzsehen. Wir sind Weltmeister im Pessimismus. Laut einer Studie des Gallup-Instituts für Meinungsforschung blicken die Menschen in keinem Land der Welt so negativ in die Zukunft wie in Deutschland: 75 Prozent sehen schwarz.

Der „Economist“ witzelte einmal, der wahre Wettbewerbsvorteil der Deutschen sei ihre Panik, dass etwas schief gehen könne. Wir fühlen uns, als lebten wir in Afghanistan. Dabei kommen zahlreiche ausländische Investoren ins Land, und wir erwirtschaften hohe Überschüsse in der Leistungsbilanz.

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