Winter in den USA
Schneechaos fegt Stromleitungen ins Aus

Stromausfälle, Verkehrschaos, Notstand: Von Washington an der Ostküste der USA bis nach Kanada hat der Wintereinbruch die Menschen kalt erwischt. Millionen Menschen sind betroffen, es gab mindestens neun Tote.
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New YorkSchneegestöber statt milder Indian-Summer-Tage: Nicht auf einem Spaziergang in der Herbstsonne, sondern in kalten Häusern, dunklen Wohnungen oder stundenlang festsitzenden Flugzeugen haben viele Amerikaner das Wochenende verbracht. Ungewöhnlich früher Schnee hatte zu einem Verkehrschaos und Stromausfällen für Millionen geführt.

Zunächst war von mindestens drei Todesfällen die Rede, die auf das Wetter zurückzuführen seien. Zum Sonntag Abend (Ortszeit) stieg die offizielle Anzahl der Todesopfer auf neun. In Massachusetts, Connecticut, New Jersey und Teilen New Yorks riefen die Gouverneure den Notstand aus.

Die Meteorologen berichten unterdessen von Rekorden, die nach mehr als einem Jahrhundert purzelten. Obwohl die Region raue Winter gewöhnt ist, gilt der Herbst noch als mild - und schneefrei. Jetzt fiel in einigen Gebieten in ein paar Stunden mehr als ein halber Meter Schnee. Zu den am stärksten betroffen Gebiete gehörte Ortschaften im Westen des US-Staats Massachusetts. In Plainfield gab es 68,6 Zentimeter Schnee, im nahegelegenen Windsor 66 Zentimeter.

Autobahnen verwandelten sich in Parkplätze, die U-Bahnen kamen aus dem Takt und der Flugverkehr brach zusammen. Am John-F.-Kennedy-Flughafen hatten die Maschinen sechs, acht und mehr Stunden Verspätung, der Airport in Newark wurde gleich ganz geschlossen. Teilweise saßen die Passagiere neun Stunden mit den Flugzeugen auf der Rollbahn fest, berichtet CNN - bei Flügen, die nur ein, zwei Stunden dauern sollten.

In Temple in Pennsylvania wurde dem Sender CNN zufolge ein 84-Jähriger in seinem Haus von einem Baum erschlagen, der die Schneelast nicht mehr tragen konnte und durch das Dach brach. In Connecticut verunglückte ein Mann mit seinem Auto. Und in Springfield, Massachusetts, starb ein 20-Jähriger an einem Stromschlag, als er eine Polizeiabsperrung ignorierte und an heruntergerissene Starkstromkabel geriet.

Die Demonstranten gegen die Macht der Banken ließen sich in New York indes von dem Wetter nicht die Laune verderben. „Schnee? Welcher Schnee? Ich habe ein Land, um das ich mich sorgen muss“, stand auf einem Schild, das eine Demonstrantin am Eingang des Camps hochhielt, das die Wall-Street-Kritiker Mitte September im Zuccotti-Park in New York errichtet hatten. Sie versorgten sich dort mit Suppe und heißen Getränken. In Washington zogen rund hundert Demonstranten im Schnee- und Eisregen vom Finanzministerium zum Weißen Haus und forderten die Einführung einer Bankensteuer.

In Manhattan ist am Sonntag Nachmittag der Schnee zum größten Teil wieder getaut. Indessen sind Millionen Menschen an der Ostküste ohne Strom. Die Zahlen schwanken zwischen zwei und vier Millionen, weil einige Versorger mit Personen, andere mit Haushalten und wieder andere mit Kunden rechnen - was auch Wohnhäuser mit Dutzenden Wohnungen sein können. Das dramatische: Viele Menschen heizen mit Elektrizität oder brauchen den Strom zumindest zum Betrieb ihrer Gas- oder Ölheizungen.

„Bei mir sind es jetzt zwölf Grad im Haus“, sagte eine Frau in New Jersey am Sonntag - dann konnte sie endlich einen Notstromgenerator anwerfen. Für viele das Schlimmste: Der Stromausfall ist keine Sache von Stunden. Viele könnten noch bis zum Mittwoch, insgesamt also vier Tage, ohne Elektrizität dasitzen.

Immerhin: In New Hampshire laufen jetzt schon vorzeitig die Skilifte.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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