Wintereinbruch
Schnee und Kälte erobern Deutschland zurück

Gesperrte Autobahnen, Hunderte Unfälle, Unterrichtsausfall: Der erneute Wintereinbruch mit Schnee und Eis behindert im Norden das Leben vieler Menschen. Und nun ist auch der Süden dran.
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BerlinDer Winter erobert das Land zurück: Blitzeis und heftiger Schneefall haben zum Wochenstart in der Nordhälfte Deutschlands Hunderte von Unfällen und viele Staus verursacht. Für Zehntausende Schüler fiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen der Unterricht aus. Seit Sonntag hat Tief „Yorick“ bis zu 30 Zentimeter Schnee in einem Streifen von Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern gebracht - an der Ostsee türmte Wind die Flocken stellenweise noch höher auf. In den kommenden Tagen zieht das Winterwetter weiter Richtung Süden. An diesem Dienstag sollen vor allem die Mitte Deutschlands und der Westen viel Schnee abbekommen.

„Die milde Luft drückt von Süden gegen die kalte“, sagte die Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Deshalb bewege sich die Kälte nur langsam Richtung Alpen. An diesem Dienstag drohe dem Westen viel Schnee: Von Frankreich nähere sich Tief „Xaver“. „Das Rheinland wird zur morgendlichen Rushhour getroffen. Die Schneemengen können dort regional Unwettercharakter haben.“ Mittwoch, spätestens Donnerstag gebe es dann auch im Süden Schneefall und nur noch höchstens vier Grad.

Nach einem kurzen Frühlingsintermezzo Anfang März war der Winter bereits Ende der vergangenen Woche wieder über den Norden hereingebrochen.

Für das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen sagte DWD-Meteorologe Karsten Mix in Essen nun für Dienstag Neuschnee „speziell in der Eifel, der Kölner Bucht und dem Bergischen Land“ voraus.

Am Montag schneite es in Hamburg für Stunden fast ununterbrochen. DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel erklärte, die schneereichen Luftmassen seien wie eine Zunge von der Ostsee über den Nordosten Schleswig-Holsteins und Hamburgs bis Hannover gezogen.

In Schleswig-Holstein fiel in den Kreisen Plön, Ostholstein und Segeberg der Unterricht an allen öffentlichen Schulen aus. In Niedersachsen war im Kreis Harburg schulfrei - betroffen waren rund 32 500 Mädchen und Jungen in 84 Schulen. „Es war für unsere Räumdienste aufgrund des nicht nachlassenden Schneefalls nicht möglich, sichere Straßen für den Schülerverkehr zu schaffen“, sagte Bernhard Frosdorfer von der Kreisverwaltung.

Auf der A1 im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) fuhren fünf Lastwagen ineinander. Sie rutschten in den Straßengraben oder gegen Leitplanken, einige stellten sich quer. Die Autobahn war stundenlang gesperrt, der Stau reichte zeitweise bis nach Hamburg zurück. Weiter nördlich bei Ratekau (Kreis Ostholstein) rutschten Lastwagen in die Mittelleitplanke, die Fahrzeuge wurden mit einem Kran geborgen.

Glatte und vereiste Straßen führten auch in Niedersachsen zu Hunderten von Unfällen - vor allem in den mittleren und östlichen Landesteilen. Allein im Großraum Hannover krachte es seit Sonntag rund 150 Male. Sechs Menschen wurden dabei teils schwer verletzt. Im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig wurden rund 200 Unfälle registriert - zum Glück fast ausnahmslos Blechschäden.

Auch in der Mitte Deutschlands krachte es: Blitzeis führte auf der Autobahn Köln-Frankfurt (A3) zu Rutschpartien. Allein zwischen Dierdorf und Neustadt im Westerwald zählte die Autobahnpolizei in Montabaur innerhalb weniger Stunden mehr als elf Unfälle. 6 Menschen wurden verletzt, 20 Autos und 5 Lastwagen beschädigt.

Auf dem Flughafen Rostock-Laage strandeten rund 160 Passagiere, die eigentlich am Sonntagabend ins türkische Antalya fliegen wollten. Sie mussten in der Wartehalle übernachten und flogen erst Montagmittag los. Wie eine Flughafensprecherin sagte, war die Maschine am Abend schon mit eineinhalb Stunden Verspätung gelandet. Während der Standzeit sei dann soviel Schnee gefallen, dass die Sicherheit der Startbahn nicht mehr gewährleistet gewesen sei.

Frühestens am Wochenende könnte es besser werden. Bis dahin bleibt es bei einstelligen Tagestemperaturen. Nachts herrscht Frost - über Schneeflächen und bei klarem Himmel gibt es zweistellige Minusgrade.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das alles kann bestimmt durch die Klima-Erwärmung erklärt werden. Ein Blog-Kommentator schildert folgede Episode, die bezeichnend für die volksweite jahrzehntelange Gehirnwäsche ist:
    ... Die Kassiererin der Tankstelle sagte zu mir "Mensch, ist das heute aber kalt". Ich daraufhin "ja, soviel zum Thema Klimaerwärmung"
    darauf sie: "ja genau, dass es jetzt so kalt ist, liegt sicherlich an der Klimaerwärmung".
    Ich habe dann nochmal nachgehackt, ob sie das ironisch meinte; aber nein, das war ihr ernst. das muss man sich mal vorstellen! Es ist also im Winter so kalt, weil wir eine Klimaerwärmung haben?? Da wundert mich gar nichts mehr. Eines Tageswerden solche Menschen vor der geschlossenen Bank stehen und den Euro loben, weil alles Ersparte weg ist. Wo ist eigentlich die Grenze für Dummheit??

    Es könnte aber schlimmer sein als die derzeitigen Temperaturen: kälteste je gemessene Temperatur in Sibirien innerorts
    http://www.welt.de/vermischtes/article113749922/Neuer-Kaelterekord-in-Sibirien-mit-71-Grad.html

    Witzige Kommentare hierzu:
    1. wahrscheinlich ist auch am Kälterekord die Klimaerwärung schuld. Natürlich die vom Menschen verursachte. Genauer gesagt, vom weißen Mann. Vom fleischessenden weißen Mann, der auf Frauen steht. Also mehr Steuern bitte.

    2. Claus Kleber vom heute-journal wird uns das bestimmt wieder demnächst erklären. Da ist die GEZ-Steuer gut angelegt.

    3. -71 Grad Celsius ist politisch nicht korrekt. Es hat gefälligst wärmer zu werden. Liebe Redaktion, passen Sie auf, dass Sie mit einer solchen Meldung nicht vor den Presserat zitiert werden! Schließlich kann in diesem Staate nicht sein, was nicht sein darf.

    PS: der Artikel war kurz verschwunden. Konnte am Abend nicht mehr gefunden werden. Wahrheitliebe hat halt doch ihre Grenzen.

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