Wintereinbruch
Zehntausende Menschen weiter ohne Strom

Zwar hat sich die Zahl der "Stromlosen" im Münsterland nach Angaben des Versorgers RWE seit Sonntag nahezu halbiert, dennoch sind weiterhin 65 000 Menschen von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten. Besonders verzwickt ist die Lage in der 20 000-Einwohner-Stadt Ochtrup.

HB MÜNSTER. „Es ist uns über Nacht ein deutlicher Erfolg gelungen“, sagte ein Sprecher von RWE Energy am Montagmorgen. Am Sonntag seien noch 120 000 Kunden in den von heftigen Schneefällen betroffenen Gebieten ohne Strom gewesen. Wann bei den 65 000 restlichen RWE-Kunden Strom fließen werde, lasse sich noch nicht sagen.

Komplett ohne Strom war am Montag die Stadt Ochtrup im Kreis Steinfurt. Eine Sprecherin des Krisenstabes der Bezirksregierung Münster erklärte, im Laufe des Tages wolle das Technische Hilfswerk versuchen, die Einwohner mit Stromgeneratoren zumindest zeitweise mit Energie zu versorgen. Die einzige Leitung in die Stadt sei auf einer Länge von drei Kilometern zerstört worden. Die Stromleitungen waren nach starken Schneefällen am Freitag unter der Last abgerissen. 50 Hochspannungsmasten im Münsterland waren eingeknickt oder nicht mehr funktionstüchtig.

Einen Anstieg von Krankheitsfällen oder Unfällen, die auf den witterungsbedingten Stromausfall zurückzuführen sei, habe man bislang nicht registriert, sagte die Sprecherin des Krisenstabes. Die Lage habe sich besonders in den Kreisen Coesfeld und Borken entspannt: „Dort ist die Stromversorgung einigermaßen stabil.“ Nur noch abgelegene Gehöfte seien ohne Strom. Über das Ausmaß des Schadens an den Stromleitungen könnten noch keine Angaben gemacht werden.

Wegen Schnee und Eis sind in Nordrhein-Westfalen auch am Montag noch Bahnstrecken gesperrt gewesen. Wie die Deutsche Bahn am Morgen in Düsseldorf mitteilte, waren die Verbindungen Gronau - Burgsteinfurt und Wuppertal - Remscheid - Solingen noch nicht wieder geöffnet. Auf den übrigen Strecken hat sich die Lage den Angaben zufolge „deutlich entspannt. Im Nahverkehr ist zurzeit noch mit leichten Verspätungen zu rechnen“, erklärte die Bahn.

Über die wetterbedingten Behinderungen dürften sich einstweilen die Schüler freuen. In den Kreisen Coesfeld, Steinfurt und Borken fällt nach Angaben der Bezirksregierung Münster am Montag der Unterricht in öffentlichen Schulen aus.

Auch in der Nacht zum Montag sorgten teils kräftige Schneefälle und Straßenglätte vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz für Behinderungen auf Straßen und Autobahnen. Bei Oldenburg in Niedersachsen starb ein 34-Jähriger, der beim Überholen auf schneeglatter Straße die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte und gegen einen Baum gerast war. Auf der A 3 im Westerwald bei Bad Honnef staute sich der Verkehr in beide Richtungen stundenlang auf 15 Kilometern Länge. An mehreren Steigungen waren Lastwagen auf glatter Fahrbahn liegen geblieben. Erneut registrierte die Polizei zahlreiche witterungsbedingte Unfälle, bei denen es aber zumeist bei Blechschäden blieb.

Hunderttausende hatten das erste Adventswochenende ohne Licht und Heizung verbracht. In dem Winterchaos in der Region zählte die Polizei mehr als 2 000 Unfälle, etwa 140 Verletzte, Millionenschäden und bis zu 250 000 Menschen, deren Haushalte viele Stunden lang ohne Strom waren. Laut Wetterdienst Meteomedia gab es solche Schneemassen zuletzt vor mehr als 100 Jahren. In Dortmund erfror ein 52 Jahre alter Obdachloser unter einer Fußgängerbrücke. Auch über weite Teile Europas fegten Schneestürme und Eisregen, bei klirrender Kälte starben mindestens neun Menschen in Frankreich, Großbritannien und Tschechien.

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