„Wir wollen nicht zurück“
Angst und Elend im westsudanesischen Darfur

Im Flüchtlingslager von Kalma im westsudanesischen Darfur harren mindestens 50 000 Menschen ohne medizinische Grundversorgung aus. Viele haben noch immer Angst vor den Gräueltaten der arabisch-stämmigen Dschandschawid.

HB KALMA. Der kleine Hussain verzieht das Gesicht, als er vorsichtig die Hosenbeine hochzieht. Die Beine des zwölfjährigen Jungen sind von oben bis unten voller Brandnarben. „Wenn es heiß ist, kann ich nicht laufen“, sagt er und erzählt: Die Milizen haben sein Dorf angezündet, er geriet in die Flammen. Nun ist er schon seit drei Monaten im Flüchtlingslager von Kalma im westsudanesischen Darfur. Mindestens 50 000 Menschen harren dort ohne medizinische Grundversorgung aus. Viele haben noch immer Angst vor den Gräueltaten der arabisch-stämmigen Dschandschawid.

Grüne Tupfer in der Wüstenlandschaft, zwischen Dornenbüschen, Strohhütten und Palmen, zeigen, wer der nächste Feind der Flüchtlinge wird: die jetzt begonnene Regenzeit, die das Lager komplett unter Wasser setzen könnte. Von der Zusage der Regierung in Khartum, für die Flüchtlinge werde alles besser, ist am Ende der staubigen Straße in Kalma wenig zu spüren.

Jeden Tag retten sich Hunderte von Menschen nach Kalma, wo sie sich aus Stroh, Zweigen und Planen notdürftigen Schutz bauen. Es ist um 40 Grad heiß. Neuankömmlinge, dunkelhäutige, feingliedrige Männer in weißen Gewändern, berichten, ihr Dorf sei bombardiert worden. „Wir gehen nicht zurück.“ Sie trauen der Regierung, die die Milizen unterstützt, nicht über den Weg. Die Kämpfe gehen weiter, ist immer wieder zu hören.

Neuerdings sollen die Dschandschawid („Reiter mit Gewehr“) sogar Polizeiuniformen tragen. Khartum hält sich offensichtlich nicht an die Vereinbarungen mit den Uno, die Milizen zu entwaffnen und für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Das ist für Staatsministerin Kerstin Müller (Grüne) nach ihrem Besuch klar. Auf gemalten Bildern in der Lagerschule sieht sie, wie die Kinder von Bombardierung und Vertreibung traumatisiert sind: Flugzeuge fallen vom Himmel, Reiter umzingeln die Dörfer. Ausgedacht haben sich die Kinder das wohl nicht.

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