Wirbelsturm tobt mit starken Regenfällen über Texas und Louisiana
"Rita" wütet - Großfeuer bedroht Galveston

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern und schweren Regenfällen ist Hurrikan „Rita“ über die US-Südküste hinweggefegt. In den Bundesstaaten Texas und Louisiana wurden Bäume entwurzelt und Gebäude zerstört. In Galveston in Texas wütete ein Großfeuer. In Lake Charles in Louisiana wurden Trümmerteile durch die Straßen gefegt, der Strom fiel aus.

HB GALVESTON/HOUSTON. Die meisten betroffenen Gebiete waren menschenleer, da in den vergangenen Tagen mehr als zwei Millionen Menschen ins Hinterland geflohen waren. Der Wirbelsturm bewegte sich vom Golf von Mexiko in Richtung Norden und überquerte dabei viele der größten Ölraffinerien des Landes.

Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums erreichte das Auge von „Rita“ das Land an der Grenze zwischen Texas und Louisiana. Besonders stark betroffen waren die Städte Port Arthur und Beaumont im Südosten von Texas. Berechnungen des Wetterdienstes zufolge wurde mit einer bis zu sechs Meter hohen Flutwelle gerechnet. Auch Houston, die viertgrößte Stadt der USA, meldete Sturm und starken Dauerregen, wurde aber nicht direkt von „Rita“ getroffen.

Medienberichten zufolge wurde ein mehr als 60 Meter langes Containerschiff im Lake Charles aus seiner Verankerung gerissen und auf eine Autobahnbrücke über den See zugetrieben. Der Fernsehsender CNN berichtete, in der Stadt Lake Charles drohe die Versammlungshalle einzustürzen. Die Polizei dort meldete, ihr Präsidiumsgebäude sei beschädigt. „Es ist unglaublich“, sagte Polizeichef Tommy Davis einem Lokalsender. „Da draußen wird es große Verwüstungen geben.“

Brände in Galveston

In der auf einer Insel im Golf von Mexiko gelegenen Stadt Galveston standen in der historischen Innenstadt drei Häuser in Flammen. Die Ursache des Großfeuers war zunächst unklar. Bei extremem Wind kämpften die Feuerwehrleute darum, ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Brennende Hausteile wurden durch die Luft geschleudert. Aus einigen Stadtbezirken wurden Überschwemmungen gemeldet. Ein Haus stürzte ein.

Die Küstenstadt war zu 90 Prozent evakuiert worden. Nach CNN-Berichten stürzte ein Restaurant ein. „Die sehr niedrig gelegene Stadt Galveston bekommt zwar einiges ab, von der großen Sturmflut bleibt die Insel (Galveston-Island) aber weitgehend verschont“, sagte der Hurrikan-Experte Thomas Sävert am Morgen der Nachrichtenagentur dpa. Örtlich sollen in den vergangenen sechs Stunden mehr als 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sein.

Es scheine aber keine Straße zu geben, die unpassierbar sei, und in einigen Stadtteilen gebe es Lichter in den Häusern. Auch die Überschwemmungen seien anscheinend nicht gravierend: Das Wasser werde sich vermutlich im Laufe des Tages weitgehend oder völlig zurückziehen. „Wir wollen nicht voreilig sein, aber die Einwohner werden wahrscheinlich glücklich sein“, sagte ein Reporter. In Galveston waren bei der schlimmsten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA am 8. September 1900 mindestens 6000 Menschen in einem Hurrikan ums Leben gekommen.

Öl- und Gasförderung gelähmt

Bevor „Rita“ an Land traf, war der Hurrikan durch die Ölförderanlagen vor der US-Küste gerast. Die Verantwortlichen der Ölindustrie warteten mit Anspannung, ob die großen Raffinerien des Landes in Lake Charles, Beaumont und Port Arthur beschädigt würden. Erst vor weniger als einem Monat war der Hurrikan „Katrina“ über die Golfküste der USA hinweggefegt und hatte Teile Louisianas und Mississippis verwüstet. Die beiden Stürme haben praktisch die gesamte Öl- und Gasförderung der im Golf gelegenen Anlagen zum Stilltand gebracht. Auch in New Orleans, das von Hurrikan „Katrina“ verwüstet wurde, waren die Auswirkungen von „Rita“ zu spüren: Ein gerade erst geflickter Damm wurde überspült.

Unterdessen verlor „Rita“ weiter an Kraft. Der Hurrikan wurde zur Kategorie zwei heruntergestuft, nachdem er in der vergangenen Woche noch zur höchsten Kategorie fünf gehört hatte. Die Behörden forderten die vor dem Sturm geflohenen Bewohner auf, mit ihrer Rückkehr zu warten. So sollten vor allem erneute Staus auf den Autobahnen verhindert werden. Bei der Flucht vor „Rita“ hatten sich auf den Ausfallstraßen von Houston Staus von bis zu 160 Kilometern gebildet.

Riesige Wassermassen

Mit meterhohen Flutwellen schlug der Hurrikan „Rita“ auf die Golfküste der USA. Zusätzlich schürten die starken Regenfälle die Angst vor Überschwemmungen. Im Grenzgebiet der Bundesstaaten Louisiana und Texas brach die Stromversorgung zusammen. In der Stadt Lake Charles in Louisiana beschädigte der peitschende Wind ein Terminal auf dem Flughafen. Darüber hinaus seien zahlreiche Gebäude eingestürzt, teilte der US-Nachrichtensender CNN mit.

Die peitschenden Winde mit Geschwindigkeiten von mehr als 190 Kilometern pro Stunde drückten Fensterscheiben ein, rissen ganze Dächer herunter und entwurzelten Bäume. Auf dem Weg der Zerstörung von „Rita“ liegen 23 Raffinerien. Besonders gefährdet sind die Unternehmen der Ölindustrie in Port Arthur in Texas.

Dagegen blieben sowohl die Millionenstadt Houston als auch die Insel Galveston vom Schlimmsten verschont. In Clear Lake City in Houston brach in einem Appartementkomplex ein Feuer aus. In Galveston brannten drei Häuser nieder.

Auch aus anderen Städten berichteten die Behörden, dass Transformatoren explodierten und mit grellen Farben den Nachthimmel erleuchteten. Danach seien ganze Städte in Dunkelheit versunken. Selbst drei Stunden nachdem das Zentrum des Hurrikans mit voller Wucht auf das Festland geprallt war, hielten die schweren Regenfälle unerbittlich an. Weil die Niederschläge in den kommenden Tagen andauern sollen, rechnen die Behörden mit schweren Überschwemmungen.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Weitere Folgen des Sturms

Seite 1:

"Rita" wütet - Großfeuer bedroht Galveston

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%