Der Wirtschaftsbeschleuniger Sind Managergehälter gerecht?

Managergehälter machen uns wütend. Aber warum? Ist es wirklich fehlende Gerechtigkeit oder einfach Neid? Vince Ebert gibt die Antwort.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

In schöner Regelmäßigkeit wird in unserem Land über die Bezahlung von Topmanagern diskutiert. 2016 stand auf der finanziellen Pole-Position der SAP-Chef Bill McDermont. 15,3 Millionen bekam der gebürtige Amerikaner. In der Zeit, in der Mr. McDermont auf die Toilette geht, verdient er umgerechnet 400 Euro. Das nenne ich mal ein großes Geschäft.

Das Durchschnittseinkommen der zehn bestbezahlten Dax-Bosse lag übrigens bei 7,18 Millionen Euro. Eine unglaubliche Summe. Anderseits bekommen Sie dafür im Fußball gerade mal einen mittelmäßigen Brasilianer.

Warum machen uns hohe Managergehälter eigentlich so wütend? Genau genommen ist es doch für unseren eigenen Geldbeutel vollkommen egal, ob Herr Zetsche oder Herr Kaeser eine Million, zehn oder 100 Millionen Euro pro Jahr bekommt. Würde man alle zehn Dax-Vorstände enteignen und ihr gesamtes Einkommen unter der Bevölkerung aufteilen, würde jeder Bundesbürger noch nicht einmal zehn Euro bekommen. Trotzdem fegt jedes Mal ein Sturm der Entrüstung durch die Nation, wenn das Gehaltsranking veröffentlicht wird.

Eine Erklärung dafür bietet das sogenannte Ultimatumspiel: Stellen Sie sich vor, Sie bekommen folgenden Deal vorgeschlagen: Sie erhalten 100 Euro unter folgender Bedingung: Sie müssen sich mit einer anderen, Ihnen unbekannten Person einigen, wie Sie die Summe untereinander aufteilen. Sie dürfen dieser Person nur ein einziges Teilungsangebot machen. Nimmt die andere Person das Angebot an, dürfen Sie beide Ihren Anteil behalten. Lehnt sie es allerdings ab, bekommt keiner von Ihnen etwas. Wie entscheiden Sie sich? Zahlreiche Versuche zeigen: Die meisten Menschen bieten der anderen Person intuitiv 40 oder sogar 50 Euro an. Und das ist clever, denn die meisten Menschen lehnen das Angebot tatsächlich ab, wenn sie nur 30 Euro oder weniger bekommen. Aus rein ökonomischer Sicht ist es allerdings vollkommen unlogisch, freiwillig auf 30 Euro zu verzichten, nur weil es einem stinkt, zu wenig vom Kuchen abzubekommen.

Das Spiel zeigt, dass wir in uns ein tiefsitzendes Gefühl für Fairness und Gerechtigkeit haben, das über dem der reinen Gewinnmaximierung steht. Und genau dieses Gefühl wird offenbar durch die hohen Managergehälter verletzt.

Ich gebe zu, ganz übertragbar ist dieses Beispiel nicht. Denn es ignoriert, dass ein Manager in der Regel eine bestimmte Leistung für sein Geld erbringt. Und mit diesem Begriff haben wir Deutschen schon immer ein kleines Problem. Offiziell sucht man hier zwar den Superstar, fördert Elite-Unis und kürt im Fernsehen „Unsere Besten“, doch wenn sich ein Leistungsträger dann real zeigt, will man ihn am liebsten einen Kopf kürzer machen.

Als Forderung nach Gerechtigkeit getarnter Neid

In unserem Land gibt es mit Sicherheit viele Berufe, in der die kompetente Leistung des Einzelnen nicht wirklich monetär gewürdigt wird, doch es hilft nicht, darauf mit einem tiefen Neid auf Leistung, Verdienst und Kompetenz in bestimmten Branchen zu reagieren. Und diesen Neid tarnen viele mit der Forderung nach Respekt vor Gerechtigkeit. Ab einer gewissen Gehaltsklasse fehlt leider der Respekt vor Leistung. Außer vielleicht im Sport. Wenn ein 25-jähriger Einkommensmillionär seinen Fußballklub in die Champions League schießt, wird er als Held gefeiert. Wenn ein 60-jähriger Einkommensmillionär sein Unternehmen in die Weltspitze bringt, ist er ein gieriger Egomane.

Allzu selbstgerecht sollten wir das Verhalten unserer Führungskräfte ohnehin nicht bewerten. Wer verstehen will, warum sich so viele Vorstände immer großzügigere Gehaltssprünge zugestehen, der sollte einfach mal einen normalen Klub-Urlaub buchen und sich dort die tägliche Schlacht am All-you-can-eat-Büfett anschauen: Da kloppen sich verantwortungsvolle Familienväter wie gierige VW-Manager um Jägerschnitzel und Pommes, als gäbe es kein Morgen. Und auch wenn beim besten Willen nichts mehr in den Magen reingeht, wird trotzdem noch das vierte Schüsselchen mit Tiramisu vollgeschaufelt.

Wir demonstrieren gegen Niedriglöhne, Stellenabbau und Umweltzerstörung, aber gehen zu H&M, Zara oder Aldi. Wir informieren uns beim freundlichen Einzelhändler über den besten DVD-Player und kaufen ihn dann bei Media Markt, weil er dort 20 Euro billiger ist. Als Kunde betreiben wir genau das, was wir Topmanagern gerne vorwerfen: gnadenlose Globalisierung und Preisdruck, bis als Produktionsstandort nur noch Fernost übrig bleibt. Die wahren Heuschrecken in diesem Land sind nicht irgendwelche Dax-Vorstände oder Hedgefonds-Manager. Die wahren Heuschrecken, das sind wir selbst.

Mehr Infos über den Wissenschaftskabarettisten und Bestsellerautor finden Sie unter www.vince-ebert.de.

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