Wirtschaftsfaktor Urlaub
Die Reiselust der Russen

Hauptsache ins Warme, denken sich viele Russen und fliegen in den Süden Europas. Dort gaben sie allein 2012 geschätzte 24 Milliarden Dollar aus. Ein Wirtschaftsfaktor mit steigender Bedeutung.
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MoskauErst vor wenigen Tagen ist Katja aus dem Urlaub zurückgekehrt. Die junge Juristin verbrachte zwei Wochen in der Nähe von Alicante, im Südosten Spaniens – bei knapp 20 Grad statt minus 20 in ihrer Heimat Moskau. Sonne tanken, Sehenswürdigkeiten besuchen, ausspannen und ein wenig Shopping stand auf ihrem Programm. „Ich mag es, neue Plätze zu entdecken“, sagte die 23-Jährige.

Russen lieben Urlaubsreisen. Gerade im Januar zieht es viele in die Ferne. Denn in ihrer Heimat beginnt das neue Jahr traditionell mit langen Feiertagen zwischen Silvester und dem orthodoxen Weihnachtsfest am 7. Januar. Die freie Zeit wird gerne noch zusätzlich verlängert. Die Urlauber wählen dann, ob sie lieber dem langen und frostigen Winter zuhause entkommen wollen und ins Warme fahren oder zum Skifahren in die Alpen jetten.

Allein Spanien hat im vergangenen Jahr offiziell eine Million Touristen aus Russland begrüßt. Nach Angaben von Maja Lomidse ist die Zahl russischer Touristen 2012 insgesamt erneut deutlich gewachsen. Lomidse ist Direktorin des Verbandes russischer Reiseveranstalter, kurz Ator. Ihren Angaben zufolge reisten 20 bis 25 Prozent mehr Russen mit einem Reiseanbieter ins Ausland als im Vorjahr: insgesamt knapp elf Millionen Russen. Alles inklusive, möglichst wenig Sorgen – das ist auch bei Russen beliebt. Die russische Statistikbehörde Rosstat rechnet sogar mit 15 Millionen Reisenden im vergangenen Jahr insgesamt und zählt dabei Individualreise hinzu.

Immer mehr Russen können sich seit einigen Jahren aufgrund steigender Löhne Urlaubsreisen ins Ausland leisten – das gilt längst nicht mehr nur für die Wohlhabenden in Zentren wie Moskau und Sankt Petersburg. Auch aus den russischen Regionen reisen sie in alle Welt, wie immer neue Flugverbindungen aus dem größten Flächenland belegen.

Wer zuhause bleibt, verbringt seine Ferien bevorzugt auf der Datscha oder in Kurorten wie Sotschi am Schwarzen Meer. Wen es aber in die Ferne zieht, der fliegt besonders gerne nach Ägypten. Dort war die Nachfrage nach den Unruhen des Arabischen Frühlings zunächst gesunken. Nun aber kletterte die Zahl der Buchungen um 40 Prozent.

Zu den beliebtesten Destinationen der Russen zählt außerdem die Türkei. Ägypten und die Türkei sind attraktiv, weil sie viel Sonne versprechen, in wenigen Flugstunden erreichbar sind und Russen dort kein Visum beantragen müssen. 2,3 Millionen Russen reisten zwischen Januar und September in die Türkei – zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

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