Wirtschaftsmacht Indien: Teil 5
Ein Inder fordert Thyssen-Krupp zum Duell

Die Zeit, in der Indien nur mit Dienstleistungsexporten Schlagzeilen machte, geht zu Ende. Nach dem Software-Goldrausch hebt ein Industrieboom an, der an die Anfänge von Chinas Vormarsch in die Güterproduktion erinnert. Deutschen Firmen erwachsen neue Konkurrenten.

Am Stadtrand von Pune bebt der Boden eines fahlgrauen Fabrikgewölbes. Es liegt am Ende einer typisch indischen Rumpelstraße, die von Schlaglöchern übersäht ist und von schäbigen Wohnhäusern gesäumt wird. Im Stammwerk von Bharat Forge scheppert, faucht und kracht es, während glühende Stahlrohlinge von einer turmhohen Weingarten-Presse „made in Germany“ zu Achsteilen gestaucht werden. Über Nacht wuchs dieses Unternehmen von einem unbekannten Billigproduzenten in einer unterentwickelten Ecke der Welt zum härtesten Wettbewerber von Thyssen-Krupps fest etablierter Schmiedesparte heran, und das in einem urdeutschen Bereich: hochtechnisierter Metallverarbeitung für die Autoindustrie. Das erderschütternde Wummern in Bharat Forges Hauptwerk schlägt

Wellen bis nach Europa. Thyssen-Manager hören die Signale. „Sie nehmen Bharat Forge als Konkurrenten sehr ernst“, meint ein Frankfurter Banker, der mit der Konzernsparte vertraut ist.

Das Ächzen von Bharat Forges Pressen und das Summen seiner Präzisionsschleifmaschinen sind Ausdruck einer ansonsten stillen Revolution, die ganz Indien ergriffen hat: Das Land ist auf dem Weg, ein wichtiger neuer Lieferant und Wettbewerber des Westens bei wissensintensiver, hochtechnologischer Industriefertigung zu werden. Indien setzt damit zum Sprung an in einen Bereich, der für Deutschlands Wirtschaft kritisch ist. Das hatte ihm lange niemand zugetraut. Als weltweiter Anbieter von Software und Dienstleistungen wird es als ernsthafter Konkurrent des Westens wahrgenommen. Nun marschiert Indien vor in den - Export hochwertiger Industriegüter wie Maschinen, Großanlagen, Elektrotechnik, Feinchemie, Luft- und Raumfahrt, pharmazeutische Produkte und Autoteile. Damit öffnet sich ein attraktiver Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer. Andere finden einen Standort, an dem sie ihre Kosten senken und dadurch global konkurrenzfähig bleiben können. Gleichzeitig entsteht Deutschland eine zusätzliche Front im weltweiten Wettbewerb.

„Indien entwickelt sich zum neuen Produktionsstandort von globaler Bedeutung“, meint Jürgen Schubert. Vielen Deutschen ist das nicht klar. „Aber sie müssen sich auf eine ernsthafte Konfrontation mit indischen Unternehmen einstellen“, warnt der Länderchef der Siemens AG. „Denn die Inder kommen nicht mit Spielzeug und Turnschuhen an wie China. Sie stoßen mit innovativen und hochwertigen Industriegütern auf die Weltmärkte vor.“

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