Wirtschaftsmacht Indien: Teil 6
Inder in Nadelstreifen erobern die Welt

Die treibende Kraft hinter Indiens Wirtschaftswunder sind clevere Privatunternehmer. Eine erfolgshungrige Generation von Firmenchefs nutzt Indiens Standortvorteile mit fit getrimmten Firmen und neuartigen Geschäftsmodellen zur aggressiven Globalisierung der Geschäfte. Die Fantasie hilft ihnen nun beim Angriff auf Europas festgefahrene Strukturen.

Für Gurcharan Das hat der Boom in seinem Land einen einfachen Grund: „Nachts schläft die Regierung, dann wächst Indiens Wirtschaft“, meint der frühere Asien-Chef von Procter & Gamble. Über Politiker bringt der scharfzüngige Kommentator kein gutes Wort über die Lippen, aber das dämpft seinen Optimismus keinen Deut. „Unser Land ist in den letzten 15 Jahren von einigen Clowns regiert worden“, stellt er fest, „aber keiner von ihnen konnte verhindern, dass es im Schnitt mit sechs Prozent im Jahr gewachsen ist.“ Indiens wirtschaftlicher Aufstieg ist für ihn durch inkompetente, korrupte und populistische Volksvertreter nicht aufzuhalten: „Der Marsch unseres Landes in den Wohlstand wird von einem Autopiloten gesteuert“, glaubt Das. Dieser Autopilot sind seine Unternehmer.

Sie sind der Motor für jenen marktgetriebenen Wandel von unten, der Indiens Entwicklungsmodell am stärksten von dem Chinas unterscheidet. Dort haben machtvolle Weichenstellungen einer Einheitspartei den Aufschwung ermöglicht. An Indiens Aufschwung hat der Staat bis auf seinen Rückzug aus der Wirtschaft geringen Anteil. Das Land blüht trotz Regierungen, die sich in vielen Fällen als Bremser erweisen. Doch das gleicht eine Heerschar pfiffiger Kapitalisten mit Ideen aus. Genauso, wie sie ungleich größere politische Freiheiten genießen als Chinesen, profitieren Indiens Unternehmer von größerem wirtschaftlichem Handlungsspielraum, auf dem Binnenmarkt und in Übersee.

Ihre Firmen gewinnen weltweit Marktanteile in anspruchvollen Industrien, bei Autoteilen, im Pharmabereich, bei Feinchemie, Maschinenbau oder IT-Diensten. Mit Übernahmen im Ausland verleiben sie sich moderne Technologien ein, neue Vertriebskanäle und bekannte Marken.

So entstehen neue globale Champions. Die Übernahme der deutschen Trevira GmbH etwa hat Mukesh Ambanis Reliance-Gruppe zum Weltmarktführer bei Polyester gemacht und dem indischen Petrochemieriesen Zugang zu moderner Technologie und neuen Vertriebswegen geschaffen. Er verlagert die Produktion von Treviras Massenprodukten in seine billigere Heimat und fokussiert die deutsche Tochter auf Forschung und komplexe Spezialfasern. „Die Zukunftsmärkte liegen in Asien, und die Produktion vieler Güter verlagert sich auch hier her“, erklärt Excecutive Director Nikhil Meswani. Dieser Trend helfe allen indischen Firmen bei ihrer Internationalisierung und bei Zukäufen in Übersee.

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