Wissenschaft
Mondfinsternis lockt Sterngucker ins Freie

dpa HAMBURG/BOCHUM. Faszination am Nachthimmel: Eine totale Mondfinsternis tauchte den Erdtrabanten in der Nacht zum Sonntag in ein orangefarbenes bis rötliches Licht. In vielen europäische Städten hatten sich tausende Sterngucker auf öffentlichen Plätzen versammelt, um das Spektakel gemeinsam zu bestaunen.

Vor allem in Italien und England, aber auch in Israel war das Schauspiel gut zu beobachten. In weiten Teilen Deutschlands dagegen haben viele Hobby-Astronomen vergeblich im Freien, auf Straßen und Balkonen gefroren: Eine dicke Wolkendecke verdeckte den Blick auf den verfinsterten Mond.

Nur in einzelnen Teilen von West- und Süddeutschland hatten die Mondbeobachter Glück mit dem Wetter. Dort gaben die Wolken immer wieder den Blick auf das Himmelsspektakel frei. Der Mond war um 22.30 Uhr in den Schatten der Erde eingetaucht, von 23.44 bis 0.58 Uhr kam es dann zu der totalen Mondfinsternis.

Mehr als 150 Menschen waren mit eigenen Teleskopen und Stativen mit Kamera samt Teleobjektiven in die Sternwarte Bochum gekommen. Sie konnten das Schauspiel zwar bis kurz nach 23.00 Uhr beobachten, danach lag das Ruhrgebiet allerdings unter einer geschlossenen Wolkendecke. „Erst kurz vor dem Ende riss sie wieder auf, da waren noch 30 Leute da, und die konnten sowohl den roten Blutmond als auch die Freigabe des Mondes durch den Erdschatten erkennen“, sagte Thilo Elsner, Direktor der Sternwarte Bochum. Dafür mussten sie eine Stunde und 15 Minuten warten. „Aber wir waren schon glücklich, den Mond überhaupt noch gesehen zu haben“, sagte Elsner.

Mehr als 200 Astronomie-Fans haben in der Bayerischen Volkssternwarte München das Naturschauspiel bei ungetrübter Sicht erlebt. Bis kurz vor dem Ereignis sei der Himmel noch wolkenverhangen und vom Mond sei nichts zu sehen gewesen, sagte der Leiter der Sternwarte, Peter Stättmayer. Als der Himmel dann kurz nach Mitternacht überraschend aufgerissen sei, habe sich den Gästen der Sternwarte eine grandiose Aussicht auf den rot leuchtenden Mond geboten. „Die Farben waren wunderschön zu sehen, der Mond lag da wie hingemalt“, berichtete Stättmayer. Mindestens zwölf dieser Ereignisse hat der Sternwarten-Leiter selbst schon gesehen. „Diese war vielleicht die schönste Mondfinsternis, die ich je gesehen habe“, schwärmte er.

Wolfgang Steinicke von der Vereinigung der Sternfreunde in Umkirch im Hochschwarzwald stellte im Vergleich zu früheren Jahren eine dunklere Färbung fest. „Grund könnte die Verschmutzung durch Staub- und Rußpartikel sein.“ Anders als eine Sonnenfinsternis sei eine Mondfinsternis kein lokales Phänomen, sondern zeitversetzt auf der ganzen Welt zu sehen. Es sei deshalb so etwas Besonderes, weil der Erdschatten nur 1,3 mal so groß sei wie der Monddurchmesser.

In Italien war die Mondfinsternis in weiten Teilen des Landes gut zu beobachten. „Der rote Mond hat seine Versprechungen gehalten und war von Nord bis Süd perfekt zu sehen“, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Romantisch war der Anblick in Genf, als sich der rote Trabant über die Turmspitze der russisch-orthodoxen Kirche schob. Nicht weniger beeindruckend zog die rötlich-braune Kugel über die Playa Roja in Rio de Janeiro.

Während der Zeit der totalen Verdunklung bleibt der Mond trotzdem zu sehen: Die irdische Lufthülle bricht das Sonnenlicht und lenkt vor allem den roten Anteil in den Schatten. Je nach Verschmutzung der Atmosphäre schimmert der verfinsterte Mond daher dunkelgrau bis kupferrot. Um 2.12 Uhr verließ der Mond den Kernschatten der Erde wieder komplett. Wer die Mondfinsternis am Wochenende verpasst, bekommt erst in knapp einem Jahr wieder eine Chance, in den frühen Morgenstunden des 21. Februar 2008.

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