WJT-Pilger gedenken eines Vorbilds
Kerzen für Bruder Roger

Überschattet von der Ermordung des Gründers der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère (Bruder) Roger, ist der Weltjugendtag am Mittwoch in Köln fortgesetzt worden. Kardinäle und viele Gläubige gedachten des Geistlichen, der am Dienstagabend in Taizé erstochen worden war. Das Programm des Weltjugendtages wird nach dem gewaltsamen Tod des Geistlichen voraussichtlich nicht geändert.

HB KÖLN. Bis in die frühen Morgenstunden haben sie gebetet, Kerzen angezündet und gesungen. Viele waren erschrocken, haben im Stillen geweint. Nach dem Attentat auf Roger fanden sich in der Nacht zum Mittwoch jugendliche Christen in der Krypta der St.-Agnes-Kirche in Köln zusammen. „Wir verstehen diese Tat nicht“, sagte Claire Tissot (24) aus Dijon am Mittwoch. „Es ist einfach sinnlos, einen alten und kranken Menschen umzubringen“, meinte auch Angelika Müller (25) aus München bestürzt. Die Bluttat hatte den Weltjugendtag (WJT) gleich zu Beginn überschattet. Gerade die jungen Gläubigen sahen in Frère Roger ein Vorbild.

Kardinal Karl Lehmann bezeichnete am Mittwoch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den gewaltsamen Tod von Roger als eine „unbegreifliche Tat“. Er würdigte Roger als einen Mann, der sein Leben der Botschaft Jesu von der Versöhnung aller Menschen gewidmet habe. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sagte: „Gerade er, auf den die Seligpreisung zutrifft: „Selig, die Frieden stiften“, ist durch einen gewaltsamen Tod aus dem Leben geschieden“. Der Trierer Bischof Reinhard Marx verurteilte die Ermordung als „furchtbare Tat“. Er selbst sei tief erschüttert, sagte der Bischof am Mittwoch. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen würdigte den ermordeten als großen geistlichen Lehrer des 20. Jahrhunderts. Er habe besonders der Jugend gezeigt, „was es heißt, heute als Christ zu leben“, sagte der Erzbischof am Mittwoch beim Weltjugendtag in Köln. Seine Verbindung von Engagement und Frömmigkeit habe Frère Roger zu einem glaubwürdigen Zeugen christlichen Lebens gemacht.

Auch der französische Präsident Jacques Chirac äußerte sich erschüttert über den gewaltsamen Tod von Bruder Roger. Er habe mit „besonderer Anteilnahme vom tragischen Tod“ des 90-jährigen Geistlichen erfahren, sagte der Präsident am Mittwoch nach Angaben des Präsidialamtes in Paris. „Dieser Mann des Glaubens hat sein Leben lang eine Botschaft von Frieden und Dialog vermittelt.“ Frère Roger sei „einer der bemerkenswertesten Vertreter von Achtung und Toleranz gewesen“.

Eine Sprecherin des Weltjugendtages sagte am Mittwoch, Änderungen im Programm seien nach der ermordung des Geistlichen trotz der großen Trauer und Betroffenheit derzeit nicht vorgesehen. Es könne jedoch sein, dass es in der Kölner Kirche Sankt Agnes, in der die von Frere Roger gegründete ökumenische Gemeinschaft von Taize zu Gast ist, besondere Gottesdienste geben werde. Ob es größere Gedenkgottesdienste geben werde, sei noch unklar.

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