Würdenträger lenken Geschicke der Kirche bis zur Neuwahl des Papstes
Die Stunde der Kardinäle

Die Versammlung der Kardinäle ist bis zur Wahl eines neuen Papstes das höchste Gremium in der Kirche. Sie entscheidet, wann der nachfolger von Johannes Paul II. gewählt wird. Der vakante Posten ist begehrt.

HB VATIKAN-STADT. Nach dem Tod ihres Oberhauptes Papst Johannes Paul II., der am Freitag um 10 Uhr beerdigt wird, haben sich die Kardinäle der römisch-katholischen Kirche am Montag in Rom versammelt. Bei ihrem ersten Treffen geht es um Formalien - zumindest nach Außen hin. Denn während die Menschen noch um Johannes Paul II. trauern, wird unter den Mächtigen der Kirche schon darum gerungen, wer sein Nachfolger wird. Speziell die Kardinäle aus den Entwicklungs- und Schwellenländern melden sich zu Wort. Sie fordern: Der nächste Papst soll aus ihren Reihen kommen. Denn die meisten Katholiken leben mittlerweile in den ärmeren Teilen der Erde.

Besonders in Lateinamerika werden die Stimmen lauter, die einen Papst aus ihren Reihen fordern. Kardinal Nicolas de Jesus Lopez Rodriguez aus der Dominikanischen Republik betonte, dass die meisten Katholiken mittlerweile auf dem Subkontinent lebten. Sein puertoricanische Amtskollege Luis Aponte Martinez rechnet mit guten Chancen für einen Papst aus Lateinamerika.

Unter den als aussichtsreich für die Papstwahl genannten Kardinälen tauchen dann auch viele Gottesmänner aus Süd- und Mittelamerika auf: Jorge Mario Bergolglio aus Argentinien ist ein einflussreicher Jesuit mit konservativen Ansichten. Dario Castrillon Hoyos aus Kolumbien war einer der loyalsten Anhänger des verstorbenen Papstes. Claudio Hummes aus Brasilien hat sich als Verteidiger der Armen einen Namen gemacht; er gilt als moderat. Oscar Andres Rodriguez Maradiaga aus Honduras ist ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, mit seinen 62 Jahren vielen aber zu jung.

Unterstützung bekommen die Kardinäle aus den Entwicklungsländern auch aus anderen christlichen Kirchen. Der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika sagte am Sonntag, er hoffe, der nächste Papst komme aus Afrika. Mit Kardinal Francis Arinze aus Nigeria steht ein aussichtsreicher Kandidat bereit. Der 72-Jährige war rund 20 Jahre lang Spezialist für die Beziehungen zum Islam - eine Frage, mit der sich auch der nächste Papst beschäftigen muss. Die italienischen Kardinäle werden nach der langen Amtszeit des Polen Johannes Paul II. aber auf einen Papst aus ihrem Land drängen.

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