WWE-Wrestler Antonio Cesaro
Professioneller Reisender in Badehosen

Wrestling hat sich in den USA als Familienunterhaltung etabliert. Der Schweizer und gelernte Kaufmann Antonio Cesaro tauschte Anzug gegen Badehosen und reist in Diensten des Medienkonzerns WWE um die Welt. Ein Interview.
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KölnAntonio Cesaro wirkt wie ein außergewöhnlich durchtrainierter Banker, als er sich im Business-Bereich der Spielemesse Gamescom zur Begrüßung erhebt. Der 1,95 Meter große Hüne im dunklen Anzug und offenen Hemdkragen könnte auch als Double des Schauspielers Jason Statham durchgehen. Sein Händedruck ist beachtlich. Cesaro, 1980 als Claudio Castagnoli im Schweizer Luzern geboren, ist aber weder Banker noch Schauspieler. Er ist Wrestler, oder, wie es bei seinem Arbeitgeber der WWE heißt: Superstar. Er ist geschäftlich in Köln, stellt am Messestand des Vertriebslabels 2K das Wrestling-Spiel  „WWE 2k14“ vor. Zwischen Terminen mit Kamerateams und einer jubelnden Menschentraube, die ihn im öffentlichen Bereich der Gamescom erwartet, findet er Zeit für ein Interview. Und der Schweizer, der vier Sprachen fließend beherrscht freut sich, es auf Deutsch führen zu können.

Handelsblatt Online:  Wie kommt man von Luzern zum Wrestling, in die große, weite Welt?

Antonio Cesaro: Ich war ein großer Fan. Es gab einen Wrestling-Club in der Schweiz, den hatte ich über das Internet gefunden. Ich dachte: Probiere ich’s eben Mal. Dann bin ich nach Deutschland gereist – wir hatten keinen Ring in der Schweiz – und dann bin ich jedes Wochenende nach Deutschland, Österreich, überall wo es Wrestling gab.

Und der Sprung in die USA?

Ich bin nach Amerika gegangen, um zu trainieren. Da hat man mich gefragt: Warum kommst Du nicht ganz rüber? Ja, da braucht man eine Arbeitsbewilligung. Also habe ich bei der Green Card Lotterie mitgemacht, gewonnen, in die USA gereist, sieben, acht Jahre Independent, quer durch Japan, überall auf der Welt gewrestlet . Am Ende bin ich bei der WWE gelandet – und jetzt sitze ich wieder in Deutschland. Der Kreis schließt sich.

Ist das eine bewusste Entscheidung? Haben Sie ihre komplette Energie dort hinein gelegt?

Man bringt es nicht so weit, wenn man nicht alles reinsteckt. Irgendwann kommt die Frage. Mache ich das als Hobby oder mache ich das als Karriere? Ich war jedes Wochenende unterwegs, unter der Woche dann noch Krafttraining. Als ich dann in die Staaten gegangen bin, habe ich es vollzeitig gemacht. Dann hatte ich auch keine Entschuldigung mehr, dass ich nicht trainieren kann. Da heißt es den ganzen Tag Videos anschauen, trainieren und irgendwie versuche, Fuß zu fassen.

War das auch ihr ursprüngliches Berufsziel?

Nein, ich habe die Handelsschule absolviert, als Kaufmann gearbeitet, hatte einen Super-Job mit großen Aufstiegsmöglichkeiten. Aber als ich meine Green Card gewonnen habe, habe ich mir gedacht: Das ist einmalig, da muss ich jetzt meinem Traum nachgehen.

Wrestling ist ein gefährliches Geschäft. Viele Kollegen laborieren lange an schweren Verletzungen. Spielt das in den Gedanken eine Rolle: Was ist, wenn es schiefgeht?

Ich denke nicht darüber nach. Wenn man das erst einmal anfängt, fokussiert man sich zu fest drauf.  Ich möchte so lange wie möglich im Ring stehen.

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