Zahl der Toten steigt
Badeverbot am Timmendorfer Strand

Trotz roter Flagge, trotz Hinweisschildern und trotz der Lautsprecher-Durchsagen: Die Badeunfälle an der Ostsee mehren sich – und forderten die ersten Toten. Nun zieht eine Bürgermeisterin Konsequenzen.
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Timmendorfer StrandDas sommerlich warme Wetter zieht Tausende Badegäste an die Ostsee. Die Urlauber liegen dicht gedrängt wie die Sardinen am Wasser, andere drehen bei diesem Anblick schon weit vor dem Ziel genervt wieder um. Doch an Schwimmen ist ausgerechnet am Timmendorfer Strand am Dienstag nicht zu denken. Der DLRG hat Badeverbot verhängt.

Die Anordnung kam von der Stadtspitze. Gudula Bauer (52, CDU), die amtierende Bürgermeisterin von Timmendorfer Strand, entschied sich für die extreme Maßnahme:​ „Ich habe gestern Morgen gegen 10 Uhr das Badeverbot angeordnet. Ich war später selbst am Strand und geschockt. An der Stelle, wo gerade ein Unfall passiert war, gingen Mütter mit Kindern ins Wasser. Für so viel Leichtsinn habe ich kein Verständnis“​, sagte sie Bild-Online.

Ein Schritt, der auch in Scharbeutz eine Option werden könnte, denn auch dort kommt es immer wieder zu Badeunfällen: Ein 70-Jähriger aus Niedersachsen kam ums Leben, ein 13-jähriger Junge konnte noch gerettet werden. Ein anderer Badegast hatte den leblosen Körper des Schwimmers aus dem Wasser gezogen. Wiederbelebungsversuche von Rettern scheiterten am Strand, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der Junge schluckte zwar reichlich Wasser, musste aber nicht in ein Krankenhaus gebracht werden.

Starke Windböen führen an der Ostsee zu starken auflandigen Winden, das zurückfließende Wasser sorgt für tückische Unterströmungen – und kann selbst für gute Schwimmer zum Verhängnis werden.

Nach Polizeiangaben mussten Retter am Montag trotz roter Flagge, direkt am Wasser aufgestellter Warnschilder und Lautsprecherdurchsagen am Timmendorfer Strand mehrere Menschen aus dem Wasser in Sicherheit bringen.

Für einen 62 Jahre alten Mann kam allerdings jede Hilfe zu spät. Den Urlauber aus Ostfriesland hatte ein anwesender Arzt am Nachmittag noch aus dem Wasser gerettet und wiederbelebt, doch der Mann verstarb wenig später am Strand, wie die Polizei berichtet.

Kurz zuvor mussten die Beamten bereits zwei Mädchen aus dem Wasser retten. Eines der beiden 10 und 14 Jahre alten Urlauberkinder sei ebenso wie wenige Stunden später ein 29-Jähriger aus Polen ins Krankenhaus gebracht worden.

Wie lange das Badeverbot anhält, hängt von den Wetterverhältnissen ab. Am Dienstag soll es aber definitiv noch bestehen bleiben. „Die Badenden gefährden sich selbst und bringen Retter und Helfer in Lebensgefahr“, heißt es in dem Polizeibericht.

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„Die Wetterlage ist extrem“

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